31.08.2022 Tagesausflug nach Rouen

Als wir aufwachten regnete es. Was machen, bei diesem sche…. Wetter. Um nicht in unserer Ferienwohnung zu versauern beschlossen wir, nach dem Frühstück nach Rouen zu fahren. Da waren wir ja mehr oder weniger dran vorbei gefahren, als wir von Verdun nach Etretat fuhren. Nun waren es noch mal knapp 90 km / 1,25 Std. wieder ins Landesinnere zu fahren, aber vielleicht war das Wetter dort besser.

Info Rouen
Gründung:
Einwohner: ca. 114.200
Bevölkerungsdichte: 5.341 Einw./km²
Fläche: 21,38 km²
mittlere Höhe: 77 Meter über dem Meeresspiegel
Webseite: https://www.rouen.fr
Deutschsprachiger Reiseführer: https://de.wikivoyage.org/wiki/Rouen

Als wir in Rouen ankamen, war das Wetter genauso beschissen wie in Etretat. Schade! Alles grau in grau, aber um es gleich vorweg zu nehmen: Rouen ist in jedem Fall eine Reise wert! Die verregneten Bilder geben das vielleicht nicht so wieder, aber Rouen hat uns super gut gefallen. Eine super schöne Großstadt mit vielen Fachwerkhäusern und die Altstadt ist definitiv sehr sehenswert.

Als Parkplatz hatten wir auf dem Navi einen großen Parkplatz an der Seine, am Quai Gaston Boulet auserkoren und es waren dort viele Parkplätze frei. Was für ein Glück!

Am Quai Gaston Boulet an der Seine sind viele Event Locations (z.B. La Fabrik Food & Drink, The Novick’s Stadium Routen Sports Bar, usw.)


Vom Parkplatz war es nicht weit zur Kathedrale, die wir als eigentliches Hauptziel auserkoren hatten.

Auf unserem Weg zur Kathedrale kamen wir an den ersten Fachwerkhäusern vorbei, nichts ahnend, was uns noch erwarten würde.


Der erste größere Platz den wir erreichten, war der Place du Vieux-Marché mit einer Kirche und einem Museum, das uns entfernt an ein Schiff erinnerte.

Die Kirche ist die Église-Sainte-Jeanne-d’Arc


Ich habe natürlich gegoogelt, man konnte es aber auch schon erahnen, denn am Eingang zur Kirche/Museum, hing ein Plakat. Das Gesicht kannte ich noch aus dem Geschichtsunterricht in der Schule: Jeanne d’Arc. Jeanne d’Arc wird heute als Nationalheldin und Heilige verehrt und man gedenkt ihrem Todestag sowohl in der französischen Kirche, wie auch in der Church of England (!).

Aber was macht Jeanne d’Arc so besonders?

Das genaue Geburtsdatum ist nicht überliefert, aber man vermutet das Jahr 1412. Geboren wurde sie in Domremy, einem kleinen Dorf an der Maas (das Geburtshaus steht noch). Ihre Eltern waren die wohlhabenden Landwirte Jacques und Romée Darc.
Mit 13 Jahren hatte sie ihre ersten Visionen. Im Traum erschienen ihr die heilige Katharina, später auch der Erzengel Michael und die heilige Magareta. Alle drei befahlen ihr, Frankreich von den Engländern zu befreien und den Thronerben des franz. Königs (Dauphin) auf den Thron zu führen.
Mit 17 Jahren verließ sie Ende Dezember 1428 ihr Elternhaus und versuchte am 01.01.1429 eine Audienz beim Stadtkommandanten der Festung Vaucouleurs, Robert de Baudricourt, zu bekommen, die ihr nach dem dritten Versuch auch genehmigt wurde. Man genehmigte ihr ein kleines Heer und (ich überspringe jetzt mal einiges) nach erfolgreicher Prüfung ihrer Jungfräulichkeit, wurde ihr vom franz. Kronrat eine Rüstung genehmigt und gefertigt. Am 07. Mai ritt Jeanne d’Arc bei Orleans gegen die Engländer voran und wurde von einem Pfeil getroffen und vom Pferd geworfen. Trotzdem kämpfte sie tapfer weiter. Das spornte ihr Heer derart an, dass die Engländer irgendwann abzogen. Der 08. Mai wird als der Tag der Befreiung in Orléans gefeiert.


Ab da an war Jeanne d’Arc nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Orte wurden von ihr befreit und so wurden von ihr bis zum Juni 1429 alle Engländer aus den Burgen/Schlössern der Loire vertrieben. Am 18. Juni gewann sie die Schlacht bei Patay und am 16 Juli marschierte sie in Reims ein.

Wie prophezeit, wurde am 17. Juli 1429 der Thronerbe (Dauphin) in der Kathedrale von Reims als Karl VII gesalbt. Jeanne d’Arc stand mit der Siegesfahne neben dem Altar. Sie war am Ziel!

Nun wollte sie auch noch Paris befreien, doch Karl VII wollte lieber Frieden mit den Engländern schließen und so verweigerte er ihr die nötige Unterstützung. Immer wieder bat sie ihn, doch Karl VII lehnte ab und so passierte, was passieren muß, wenn einem die eigenen Landsleute in den Rücken fallen – sie wurde am 23. Mai 1430 bei Compiègne festgenommen. Nach mehreren Monaten Haft und einem langen Prozeß „wegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche Majestät“ wurde sie am 19. Mai 1431 in zwölf von 67 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Sie war nur eine einfache Frau vom Land die ohne rechtlichen Beistand vor Gericht gegen dialektisch und rhetorisch geschulte Kleriker bestehen mußte. Sie war trotzdem sehr geschickt in ihren Antworten, aber es half nichts.
Man versprach ihr Gefängnis statt Feuertod, wenn Sie sich ihren Überzeugungen abschwören würde. Was dann auch geschah.
Dieses wiederum war für die Engländer ungenügend, die ihren Tod wollten, und so strengte man einen zweiten Prozeß an. In allen Einzelheiten kann man das sehr gut bei Wikipedia nachlesen.
Der Prozeß war eine Farce, sie wurde verurteilt, und am Morgen des 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz von Rouen verbrannt. Damit ihre Anhänger keine Reliquien sammeln konnten, wurde ihre Asche in die Seine geschüttet.

Besagter Marktplatz von Rouen ist der Place du Vieux-Marché auf dem wir gerade standen.
Auf der anderen Seite der Kirche steht ein riesiges, hohes Kreuz. Diese Stelle wird …

Le Bûcher de Jeanne d’Arc genannt.
(de: Der Scheiterhaufen von Jeanne d’Arc)


Bild unten: interessante Häuserzeile am Place du Vieux-Marché.


Église-Sainte-Jeanne-d’Arc

Auch wenn das Wetter beschissen war, auf Museum hatten wir jetzt keine Lust und die Kirche war uns zu modern.


Also weiter durch Rouen und alle paar Meter gab es Läden mit der nötigen Marschverpflegung. Sieht das nicht gut aus? Uns fiel es schwer zu widerstehen.


Am Place du Vieux-Marché mündet die Rue Saint-Lô mit dem riesigen Justizpalast, in dessen Außenmauern viele Einschußlöcher zu sehen sind. An deren Ende bogen wir in die Rue des Carmes ein, eine schöne Einkaufsstraße, die an der Kathedrale Notre-Dame de Rouen vorbeiführt.

Kathedrale Notre-Dame de Rouen

Was für ein imposantes Bauwerk und wie filigran die Steinmetz-Arbeiten!



Wenn man der Kathedrale näher kommt, muß man leider feststellen, daß die Kathedrale in einem bedauernswerten Zustand ist. Keine filigranen Figuren – alles verwaschen und durch Umwelteinflüsse mehr oder weniger zerstört. Da blutet einem das Herz! So zerstört, daß man sich kaum noch vorstellen kann, wie das einmal ausgesehen hat.

Das ist jedoch ein Zustand, den wir bei allen Kirchen auf unserer Reise feststellen mußten. Es wird alles getan um Notre-Dame de Paris wieder aufzubauen, doch was ist mit den anderen Kirchen des Landes? Ja, ich weiß, es ist ein Faß ohne Boden und der, als Beispiel, Kölner Dom wird auch nie fertig werden, aber alles verkommen lassen? Das kann es doch nicht sein, oder?


Im Inneren fast das gleiche Bild. Im Chor sind Netze gespannt worden, damit die Kirchenbesucher nicht von herabfallenden Deckenteilen getroffen werden.


Den hinteren Teil des Chors hat man jedoch schon renoviert und das schaut doch richtig gut aus.








Die römisch-katholische Kirche Saint-Maclou
( 49°26’23.5″N 1°05’54.1″E )



Nun wollten wir eine weitere Kirche besuchen, die Abbatiale Saint-Ouen ( 49°26’32.8″N 1°05’58.8″E ). Wir mußten aber feststellen, daß die Kirche komplett eingerüstet und von einem Bauzaun umgeben war. Also gingen wir weiter . Direkt daneben das Hôtel de ville de Rouen – also das Rathaus ( 49°26’35.9″N 1°05’60.0″E ). Der Platz vor dem Rathaus ist der Place du Général de Gaulle. Mit der Kirche im Rücken, auf der linken Seite des Platzes , bogen wir nun in die Fußgängerzone ein.


Es war schon wieder recht spät geworden und so langsam knurrte unser Magen. Dieses Mal marschierten wir eine Pizzeria, in einem Kellergewölbe.

Pizzeria du Drugstore (****)
2 Rue Beauvoisine, 76000 Rouen
Homepage: Pizzeria du Drugstore


Die Pizza war sehr gut und kann ich weiterempfehlen. Auch das Ambiente in dem Kellergewölbe hatte etwas.

Als wir wieder in der Fußgängerzone standen, gingen wir nun weiter durch die Rue des Carmes. Meine Partnerin hat sich noch in einigen Geschäften umgeschaut und ich habe draußen gewartet, oder im Kaufhaus in der “Männeraufbewahrung”.
Ihr Fazit: Schönere Sachen und mehr Auswahl als in Deutschland, aber auch wesentlich teurer. “Wenn ich eine Kollektion bestehend aus Hose und Bluse, Jacke, usw. kaufen wollte ….. wäre ich mit 1000€ dabei”. Da man in der Normandie niemanden, aber wirklich absolut niemanden, mit Jogginghose sieht und die Menschen fast ausnahmslos chic gekleidet sind, interessierte mich, wie hoch denn die Einkommen in Frankreich sind. Ich las und staunte, dass diese sogar ein ganzes Stück niedriger sind, als in Deutschland. Offensichtlich setzen die Franzosen ihre Prioritäten etwas anders. Wenn man so durch die Fußgängerzone mit seinen Restaurants geht, stellt man fest, dass viele ausgebucht sind und die Menschen drinnen ihren Spaß haben.Wie sagt man so schön? “Leben wie Gott in Frankreich”. Chic ausgehen und wenn es in der Mittagspause ist, da setzen offensichtlich viele ihre Prioritäten.
Die ganze Fußgängerzone ist gesäumt von alten Fachwerkhäusern.


Wir näherten uns einem weiteren Wahrzeichen Rouens: Der Gros-Horloge, was so viel wie “Dicke Uhr” bedeutet. Es ist das älteste Uhrwerk Frankreichs!





Das historisch aussehende Gebäude ist das 5-Sterne Hotel “Hotel de Bourgtheroulde, Autograph Collection” am Place de la Pucelle.


Wir wußten nicht genau wie es weiter gehen sollte. Zum Auto und zurück fahren, oder noch irgendwo einen Kaffee trinken? Ein Kaffee, das wäre jetzt nicht schlecht. Also sind wir wieder in die Fußgängerzone (Rue des Carmes) bei der Kathedrale gegangen und bei der Patisserie Maison Vatelier ( 49°26’32.3″N 1°05’42.6″E ) wurden draußen gerade Plätze frei.

Wir haben den Widerstand aufgegeben 🙂 und zwei kleine Törtchen genossen



Am frühen Abend waren wir wieder in Etretat. Bedeckt war es noch immer, aber jetzt regnete es nicht mehr und so sind wir noch etwas am Strand spazieren gegangen








rueckwaertsvorwaerts
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