Große Namibia Rundreise, 15.07.2017, Ankunft Windhoek, Stadtbesichtigung

Der Flug kam relativ pünktlich gegen 05:30 Uhr an. Da ich schon einmal vor 15 Jahren in Namibia war, kannte ich das nun folgende Prozedre. Auf dem Hosea Kutako Int. Airport gibt es keine Fluggastbrücken und so muß man die Gangway hinunter und über das Rollfeld laufen. Damit man sich nicht verläuft, stand alle 10 Meter ein Flughafenangestellter, der einem den Weg wies.



Das Flughafengebäude ist nur sehr klein und da von jedem Einzelnen ein Foto geschossen wurde, stand eine Schlange bis nach draußen, wo es sehr frisch war – namibischer Winter.
Anschließend ging es an den Zollbeamten vorbei, die auch die Einreiseerklärung in Empfang nahmen. Bei Vielen dauert das immer etwas länger, da sie bei “Adresse der Unterkunft in Namibia” häufig Roundtrip schreiben. Aus den vergangenen USA Urlauben wußte ich, daß die Angabe Roundtrip nirgends erlaubt ist, daß es aber reicht die Adresse der ersten Unterkunft in Namibia anzugeben, und so waren wir ruckzuck durch den Zoll.
Nun war warten angesagt.
Ursprünglich wollte ich den Leihwagen wieder über www.billiger-mietwagen.de bestellen, doch es gab schon 2-3- Monate vor dem Flug keine SUV mit Allradantrieb mehr. Also habe ich über Iwanowski gebucht, die im übrigen auch ganze Reisen zusammenstellen. Die waren sehr hilfsbereit und übermittelten uns ein Angebot von Britz/Maui, 1044 € für einen Toyota Hilux 4×4 Single Cabin für 2,5 Wochen, was wir annahmen. Leider hatte der Fahrzeugverleih von Britz/Maui erst ab 08:00 Uhr auf und so mußten wir jetzt 2 Stunden totschlagen. Die verbrachten wir damit daß wir Geld abhoben und haben den Rest der Zeit bei zwei Kaffee im Cafe Ilamo verbracht.
Es heißt immer, in Deutschland bekommt man keine Namib Dollar und so hätte man in Deutschland Südafrikanische Rand kaufen müssen. Der Rand ist an den Namib-Dollar gekoppelt und der Austausch ist 1:1. Wir hatten uns aber dafür entschieden im Flughafen Namib Dollar aus dem Automaten zu holen.


Zwischenzeitlich sahen wir, daß der Britz/Maui Schalter im Flughafen aufmachte, doch als wir nach unserem Leihwagen fragten, bekamen wir nur zur Antwort daß wir noch bis 08:00 Uhr warten müßten. Vorher hätte die Leihwagen-Ausgabe nicht offen. Um 08:00 Uhr wurden wir dann zusammen mit einem anderen Paar per kleinem Shuttle-Transporter zur KFZ-Ausgabe gebracht, die nur 500 Meter vom Flughafen entfernt lag.
Nun wurde der ganze Schriftkram erledigt und dann wurden wir zu unserem Toyota Hilux gebracht. Ohne das wir das fordern mußten, wurde der ganze Wagen abgeschritten und ein Protokoll aller Schrammen erstellt und die Vollständigkeit des Zubehörs, wie z.B. Wagenheber und Warndreieck überprüft. Ebenso wurde uns die Funktion des Allradantriebs erklärt und wie man die Differentialsperre einschaltet. Als meine Lebenspartnerin meinte, auf den Vorderreifen sei sehr wenig Profil, wurde der Wagen sofort in die Werkstatt gebracht und 30 Minuten später bekamen wir ihn wieder mit vier nagelneuen Pneus zurück. Alle Achtung! Das machte alles einen sehr guten Eindruck. Der wurde zwar bei der Rückgabe getrübt, doch dazu später. Wir fuhren los. Der Flughafen und die Autovermieter liegen ca. 40 km außerhalb von Windhoek und das ist gut so, denn so hatten wir jetzt knapp 30 Minuten Zeit uns mit der Rühr-Schaltung des Toyota und dem Linksverkehr vertraut zu machen. Unterwegs liefen uns auch schon die ersten Affen über den Weg.


Als erstes fuhren wir in unsere Lodge. Ich wollte bei Beginn der Urlaubsplanungen das Hotel Heinitzburg buchen, habe mich dann aber auf Grund des Preises dagegen entschieden. So fuhren wir jetzt zur Arebbusch Travel Lodge.


Arebbusch Lodge
PO Box 80160
Cnr of Golf & Auas Rd, Olympia, Windhoek, Namibia
Homepage:http://www.arebbusch.com/

Auch hier waren wir zu früh, da die Zimmer erst um 14:00 Uhr bezugsfertig waren. Als die Putzfrau die Lodge verlassen hatte, stürmten wir unsere Lodge, da wir doch ein wenig KO waren, denn, seien wir ehrlich, so richtig gut schlafen kann man im Flugzeug nicht. Uns blieb die Luft weg – im wahrsten Sinne des Wortes! Hatte die Putzfrau mit 100%igem Chlor geputzt? Wahnsinn. Unsere Lungen waren jetzt jedenfalls frei 🙂 . Nach ausgiebigen Lüften haben wir uns etwas hingelegt um Schlaf nachzuholen, anschl. haben wir uns etwas Kaffe aufgegossen (Wasserkocher und Aufgußkaffee gehören zur Standardausrüstung der Lodge) und sind dann am späten Nachmittag in die Windhoeker Innenstadt gefahren. Unser Ziel war natürlich die alte Feste und das Reiter-Denkmal. Von meinem ersten Besuch wußte ich noch, daß für die Besichtigung ein Nachmittag vollkommen ausreichend ist.


Windhoek hat rund 322000 Einwohner. Das klingt viel, doch wenn man sich die Bezirke Namibias auf der Karte anschaut, bezieht sich diese Einwohnerzahl eher auf das, was bei und die (Land-)Kreise sind, nicht aber auf die City selbst. Wenn man in die City fährt, stellt man schnell fest, daß Windhoek, verglichen mit deutschen Städten, eher ein kleines Provinzstädtchen ist, denn eine große Haupstadt. Der ganze Ort ist klein und überschaubar. Die Straßen sind leicht zu befahren und es geht sehr ruhig zu. Keine verstopften Straßen, keine Staus keine Hupkonzerte, usw.
Wer Windhoek erkunden möchte, braucht nicht viel Zeit einzuplanen. Das ganze Zentrum kann ohne Probleme zu Fuss erkundet werden. Bei einer Landes-Hauptstadt würde man normalerweise mehr erwarten, doch mehr gibt es in Windhoek nicht. Aber man fährt ja nicht nach Namibia wegen einer Städtereise, sondern wegen der Natur und Tierwelt.


Ich hatte schon gelesen, daß sich rund um die alte Feste in den letzten 15 Jahren einiges geändert hat, doch wie man hier agiert hat, das hätte ich nicht für möglich gehalten.




Dort wo früher das Reiterdenkmal stand, steht nun das riesige Independence Museum mit einer Statue von Sam Nujoma davor. Das finde ich durchaus legitim, denn ich fand es schon vor 15 Jahren merkwürdig, daß man das Reiterdenkmal und die Inschrift viele Jahrzehnte hatte stehen lassen. Doch ich hätte so etwas in einem Nationalmuseum erwartet, wo man sich kritisch sowohl mit der südafrikanischen Verwaltung als auch der Deutschen Kolonialherrschaft auseinandersetzt. Laut Wikipedia soll sich tatsächlich ein Nationalmuseum in der “Alten Feste” befunden haben, doch man hat das Gebäude 2014 geschlossen um es angeblich zu sanieren. Bis heute, 2017, ist davon allerdings nichts zu sehen, stattdessen steht das Reiterdenkmal, notdürftig abgestützt, im Innenhof der “Alten Feste” und in einer Nische des Denkmals brüteten Vögel. Die Tore der “Alten Feste” sind Tag und Nacht offen und zum Plündern und Zerstören freigegeben. Das ganze Gebäude wirkt baufällig und dem Zerfall preisgegeben.
Liebe Namibier, so geht ‘sich objektiv mit der Geschichte auseinander setzen’ nicht! Stattdessen baut man sich ein Independence Museum in dem man sich selbst verherrlicht. Der Bau des Museums wurde von Nordkorea durchgeführt – das sagt Alles!


Die alte Feste

Mit dem Bau der alten Feste wurde am 18. Oktober 1890 begonnen. Errichtet wurde sie von den deutschen Schutztruppen unter Hauptmann Curt von François. Der Baubeginn der Feste wird heute auch als Gründungstag von Windhoek angesehen. Rund um die Feste war damals nur Wüste, aber mit dem Bau siedelten sich drum herum immer mehr Menschen an. Vorwand für den Bau der alten Feste war die Sicherung des Friedens, durch deutsche Schutztruppen, zwischen den sich bekriegenden Nama und Herero.



Innenhof der alten Feste



Das Reiterdenkmal, das früher einmal dort stand, wo jetzt das Independence Museum steht.
Das Reiterdenkmal, als Sinnbild der deutschen Kolonialzeit, war immer schon umstritten, und wurde daher schon mehrfach umgesetzt.
Eingeweiht wurde das Reiterdenkmal am 27. Januar 1912.



Inschrift am früheren Sockel des Reiterdenkmals: “Zum ehrenden Angedenken an die tapferen deutschen Krieger, welche fuer Kaiser und Reich zur Errettung und Erhaltung dieses Landes waehrend des Herero- und Hottentottenaufstandes 1903 bis 1907 und waehrend der Kalahari-Expedition 1908 ihr Leben ließen. Zum ehrenden Andenken auch an die deutschen Buerger, welche den Eingeborenen im Aufstande zum Opfer fielen. Gefallen, Verschollen, verunglueckt, ihren Wunden erlegen und an Krankheiten gestorben, von der Schutztruppe: Offiziere 100, Unteroffiziere 254, Reiter 1180, von der Marine: Offiziere 7, Unteroffiziere 13, Mannschaften 72, im Aufstande erschlagen: Maenner 119, Frauen 4, Kinder 1.”



Wir haben zwar nicht das Independence Museum selbst besucht, obwohl der Eintritt umsonst ist, aber wir sind mit dem Fahrstuhl auf die Aussichts-Plattformen gefahren.


Von hier hat man eine tolle Aussicht über ganz Windhoek


Der ‘Tintenpalast’.

Der ‘Tintenpalast’ ist heute der Sitz des namibischen Parlaments.
Erbaut wurde der ‘Tintenpalast’ aber von 1912 bis 1913 als Verwaltungsgebäude der Deutschen Regierung und wurde am 1. November 1913 eingeweiht. Ähnlich wie in Berlin, wo auch immer schnell Spitznamen vergeben werden, hatte sich hier auch schnell der Spitzname ‘Tintenpalast’ ergeben. Eine Anspielung auf die vielen Schreiberlinge mit ihrem Tintenverbrauch.



Die Christuskirche

Die Christuskirche ist mehr oder weniger das Wahrzeichen der Stadt Windhoek. Erbaut wurde sie von der deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde von 1907 bis 1910.



Novum: Einige Details der Kirchen-Ausstattung, wie die Orgel, die Glocken und die Farbverglasung wurden per Schiff von Deutschland aus nach Windhoek gebracht. Die Kirchenfenster wurden nach Ankunft in Windhoek jedoch falsch eingesetzt und so zeigte die Innenseite der Fenster nach außen. Erst Ende des letzten Jahrhunderts, als ein Kirchenfenster-Experte die Kirche als Tourist besuchte, fiel ihm dieses auf. Nachdem er diesen Umstand gemeldet hatte, wurden die Fenster alle ausgebaut und richtig herum wieder eingesetzt.


Wenn man aus dem Independence Museum kommt, bzw. von den Aufzügen der Aussichtsplatform, schaut man auf den Rücken der Sam Nujoma Statue.
Im Hintergrund wieder die Christuskirche.



Der Name Sam Nujoma fiel hier ja schon mehrmals, und er begegnet einem in Namibia überall. Jede Stadt hat einen Sam Nujoma Drive oder Ave. und ein Bild von ihm hängt in jedem Büro und jeder Lobby. Wer ist Sam Nujoma, der noch zu Lebzeiten so verehrt wird. Der offizielle Titel lautet heute “Gründungsvater der namibischen Nation”. Sam Nujoma, mit vollem Namen Samuel Daniel Shafiishuna Nujoma, wurde am 12.05.1929 in Ongandjera bei Okahao geboren. 1959, im Alter von 30 Jahren wurde er zum Vorsitzenden der Ovamboland People’s Organisation (OPO), Vorgängerorganisation der SWAPO, gewählt. Da er Aufstände und Proteste organisierte, wurde er verhaftet und floh 1960 ins Exil, dem heutigen Botswana. Er hielt sich in den Folgejahren in Tansania, Sambia und Angola auf und soll mutmaßlich in viele gewalttätige, Auseinandersetzungen und Morde verwickelt gewesen sein. Namibia stand nach einem Mandat des Völkerbundes von 1920-1990 unter Südafrikanischer Verwaltung. Die Südafrikaner hatten da aber zu viel hinein interpretiert und hätten das heutige Namibia gerne als weitere Provinz Südafrikas gesehen und legten sich in den Folgejahren sogar mit der UNO an. 1966 begann ein Guerillakrieg gegen die Südafrikanische Verwaltung/Besatzung. Von Anfang an beteiligt war die SWAPO (Southwest African People Organisation) mit dessem Gründungsmitglied Sam Nujoma.
Nach vielen Jahren Freiheitskampf, waren es die Südafrikaner leid und willigten in Verhandlungen ein. Nach langen, zähen Verhandlungen fanden im November 1989 endlich freie Wahlen statt, bei denen die SWAPO mit absoluter Mehrheit gewählt wurde. Sam Nujoma, der für das Präsidentenamt nominiert war, wurde damit zum ersten Präsidenten Namibias gewählt. Am 20. März 1990 um Mitternacht wurde Namibia unabhängig.


Das Independence Museum



Das Independence Museum war sehr umstritten. Viele Windhoeker waren der Meinung, und da haben sie durchaus Recht, daß mit dem Bau des Independence Museum das historische Zentrum Windhoeks zerstört werde. Bei einer Umfrage unter Farbigen sprachen sich 87% gegen den Bau des Independence Museum aus. Aus diesem Grund wurde der Bau einfach durch die namibianische Regierung festgelegt und die Bevölkerung weder eingebunden noch ausreichend informiert, behauptet zumindest die Stadt Windhoek. Das Museum wurde nach etlichen Verschiebungen am 20.03.2014 eröffnet. Gebaut wurde es von der nordkoreanischen Firma Mansudae Overseas Projects.


Überbleibsel deutscher Besatzung



Wie wir so auf dem Weg zur Christuskirche waren, wurden wir von zwei jungen Männern angesprochen, die uns etwas aus der Geschichte Namibias, bzw. der DDR erzählten, was wir so nicht wußten. 1979 soll Sam Nujoma die DDR gebeten haben, 400 namibianische Kinder aufzunehmen, um sie zu Kommunisten auszubilden. Sie sollten die spätere Elite, die Herrscher des Landes werden. Die Kinder wuchsen in der DDR “Deutsch” auf.
Zurück in Deutschland habe ich mich gleich ein wenig kundig gemacht. Offiziell liest sich das natürlich anders. Offiziell heißt es, daß der Befreiungskampf der SWAPO gegen die Südafrikaner immer härter wurde und daß man um das Leben der Kinder in den SWAPO Lagern fürchten mußte. Aus diesem Grund hat Sam Nujoma die DDR gebeten die Kinder aufzunehmen, um sie vor dem Krieg zu schützen.
Nachdem Namibia kurz nach dem Mauerfall selbstständig wurde, kehrten die Kinder im August 1990 zurück nach Namibia.
Wie dem auch sei, wen dieses Thema interessiert, dem sei das Buch eines dieser Kinder, Lucia Engombe, empfohlen (Lucia Engombe, Peter Hilliges: Kind Nr. 95. Meine deutsch-afrikanische Odyssee. Ullstein, Berlin 2004, ISBN 3-548-25892-1).
Die beiden erzählten uns, natürlich in akzentfreiem Deutsch, daß sie ein sehr schweres Leben hätten, da sie für die Namibier Deutsche seien und für die Deutschen “Farbige” und daß sie nicht wirklich irgendwo zu Hause seien. Die Beiden empfahlen uns besagtes Buch “Kind Nr. 95”, wenn wir Interesse an diesem Thema hätten.


Der Gründer der Stadt Windhoek, Curt Karl Bruno von François, Offizier der deutschen Schutztruppen (geb. am 2.10.1852 in Luxemburg; gest. am 28.12.1931 in Königs Wusterhausen).
Wer mehr erfahren möchte: Curt von François bei Wikipedia



Woher stammt der Name Windhoek?
“Windhoek” ist Afrikaans und bedeutet so viel wie „windige Ecke“. Namensgeber der Stadt Windhoek aber war der Häuptling der Nama, Jonker Afrikaaner. Die Windhoeker Berge erinnerten ihn an seine Farm Winterhoek in der Kap-Provinz. Dort hatte er einige Zeit gelebt.


Während der deutschen Kolonialzeit war neben Windhoek auch die deutsche Schreibweise Windhuk gebräuchlich. Am 14. Mai 1903 erließ der Gouverneur der kaiserl. Schutztruppen, Theodor Leutwein, den Befehl, der amtliche Name der Stadt sei Windhuk, und auch wenn 1918 der amtliche Name wieder in Windhoek geändert wurde, wurde im deutschen Sprachraum nach wie vor Windhuk genutzt und ist auch heute noch offizielle Schreibweise des Auswärtigen Amtes!

rueckwaerts vorwaerts

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