Rundgang Herford

In den 60er, 70er und 80er Jahren ist in Herford viel an alter Bausubstanz vernichtet worden, weil man der Meinung war, eine gute Infrastruktur sorgt dafür, dass die Geschäfte blühen. Trotz alledem ist Herford immer noch sehenswert und hat viel zu bieten.
Wer sich die wichtigsten Punkte erwandern möchte – nachfolgend eine kleiner Vorschlag.
Streckenlänge: ca. 4 km
Gehzeit: 1 Std.



Die wichtigsten Stationen / Plätze sind:
1. Parken kann man am Besten auf dem EON Parkplatz an der Bielefelder Straße (am Wochenende frei gegeben).
2. Alter Markt
3. Linnebauer Platz
4. Neuer Markt
5. Wilhelmsplatz
6. Münsterkirchplatz/Rathausplatz
7. Radewig


1. Der Herforder spricht immer noch vom EMR Parkplatz, da das Bürogebäude (heute EON), das zu dem Parkplatz gehört, früher das EMR beheimatete (EMR=Elektrizitätswerke Minden Ravensberg. Das EMR war ein regionaler Stromversorger, betrieb aber auch eine Verkehrsabteilung mit vielen Bussen. Das EMR fusionierte 2003 mit dem Elektrizitätswerk Wesertal GmbH und der PESAG (Paderborn) zur E.ON Westfalen Weser AG.
Vom Parkplatz kommend überqueren wir als erstes auf der Deichtorbrücke den Stadtgraben.


Im Mittelalter galt Herford als eine der am besten befestigten deutschen Städte! Herford war schon durch das Dreieck der Flüsse Werre und Aa gut geschützt, doch dann kam der Stadtteil Radewig dazu, der außerhalb der Aa lag und sicherte diesen, indem man im Mittelalter einen künstlichen Flußlauf schaffte – den Stadtgraben. Im Mittelater baute man dann noch eine 3,5 km langen Stadtbefestigung mit Mauern, Stadttoren und Türmen. Herford hatte damals fünf Stadttore mit 14 Türmen!
Eines dieser Stadttore war das Deichtor, das zusammen mit der Brücke erstmals in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand. Die heutige Deichtorbrücke stammt jedoch aus dem Jahr 1877. Das Straßenstück zwischen Deichtor-Brücke und Radewiger Strasse heißt Bielefelder Straße, doch bis 1939 hieß das kleine Stück wie das gleichnamige Tor „Deichtorstraße“.
Steht man auf der Deichtorbrücke und schaut in Richtung Radewiger Kirche, schaut man nach links den Stadtgraben entlang in Richtung Daniel Pöppelmann Haus….



….und rechts in Richtung Aa-Anschluß des Stadtgrabens.



Blick von der Bielefelder Str. (früher Deichtorstr.) auf die Radewiger Kirche, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde
Der Herforder sagt Radwiger Kirche, da der Stadtteil die Radewig ist. Offiziell heißt die Kirche eigentlich St. Jakobi und war ursprünglich eine Stationskirche für Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Während der Reformation war die Kirche von 1530 – 1590 per Ratsbeschluss geschlossen. Der Radewiger Bürgermeisters Anton Brudtlacht setzte sich sehr für die Wiedereröffnung ein und so wurde sie am 1. Advent 1590 als evangelische Pfarrkirche wieder eröffnet. Anton Brudtlacht ließ die Einrichtung anfertigen und stiftete die Kanzel. Da man am 1. Advent keine Blumen zum Schmücken hatte, schmückte man die Kirche mit Grünkohl. Hieran erinnert noch heute das Radewiger Kohlessen.
Im großen Stadtbrand von 1638 brannte fast die gesamte Radewig zusammen mit St. Jakobi ab, wurden aber wieder aufgebaut.
1778 wurde St. Jakobi vom Blitz getroffen und der der Turmhelm brannte ab. Bis 1786 wurde der Turm wieder hergestellt und erhielt bei dieser Reparatur seinen heutigen, für Westfalen ungewöhnliche Zwiebelturm (Welsche Haube).
Im Jahre 1981 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. #
Etwas ausführlicher mit Bildern: http://www.rbrinckmann.de/Herford/Kirchen/jakobikirche.htm

Dort wo oben im Bild das Verkehrsschild “vorgeschriebene Fahrtrichtung” steht, mündet die Mühlengasse. Gleich hier am Ende der Gasse, sieht man eines von zwei erhaltenen Teilstücken der mittelalterlichen Stadtmauer.



Bei der Kirche halten wir uns rechts und gehen durch die Radewiger Straße. Nach einigen Metern erreichen wir die Radewiger Brücke. Eigentlich heißt die Brücke Niedermönkenbrücke und wurde nach den niederen Mönchen benannt. Diese lebten zur Zeit der Klarissen an der Clarenstraße und bis zur Reformation im Kloster der Franziskaner in der Mönchstraße.
Die Brücke verbindet die Altstadt mit der Radewig und man vermutet hier den älteste Brückenbau der Stadt. Die erste Brücke könnte hier vor etwa 1200 Jahren errichtet worden sein.


Blick zurück in die Radewiger Straße.



An der Radewiger Brücke, man schaut in Richtung Radewiger Mühle (nachweislich von 1224), ich weiß nicht ob man es erkennen kann, hängt eine “Strickleiter”. Diese soll an die Hexenverfolgung und die damit verbundene “Flußprobe” erinnern. In Herford lassen sich in der Zeit von 1584-1654 55 Hexenprozesse nachweisen. Ganz speziell erinnert diese “Strickleiter” an die grausige Aktion, als an einem Sonntag im August 1627, 30 Frauen aus ihren Häusern geholt und der Zauberei bezichtigt wurden. Um neun Uhr morgens wurden sie am Radewiger Kolk der Wasserprobe unterzogen. Die, die als Hexen überführt wurden, wurden gefoltert und auf dem Lübberbruch verbrannt.


Die Wasser- oder Flußprobe wurde vermutlich von Papst Eugen II. eingeführt. Die Angeklagten wurden gefesselt und mit einem Seil, sitzend, in ein Gewässer herabgelassen, oder auch hineingeworfen. Dazu wurde folgende Gebetsformel gesprochen: „Lass das Wasser nicht empfangen den Körper dessen, der vom Gewicht des Guten befreit durch den Wind der Ungerechtigkeit emporgetragen wird.“ Falls die Angeklagten oben schwammen, galt dies als Beweis für Hexerei, wenn sie untergingen, galt das nicht als Gegenbeweis. Die Flußprobe beruht darauf, dass man glaubte, dass das reine Element Wasser Hexer/Hexen abstoßen würde.



Wir gehen nun geradeaus weiter durch die Bäckerstraße (Fußgängerzone) und erreichen DEN zentralen Platz in Herford – den “Alten Markt”. Wir gehen quer über den alten Markt (quasi von rechts unten nach links oben), doch zuvor werfen wir einen Blick nach links. Das kleine Stückchen Straße ganz hinten, das im Schatten liegt und zur Münsterkirche führt, nennt sich “Mausefalle”.



Der Patz war ursprünglich noch größer. Doch an der einen Stirnseite stand einmal in grauer Vorzeit das Rathaus. Um daran zu erinnern, wurde an der selben Stelle die Bäckerei und Cafe Hensel erbaut (das niedrige Gebäude am rechten Bildrand)

Wir gehen quer über den Platz….

und weiter durch die Fußgängerzone. Dieses Stück Fußgängerzone heißt Gehrenberg.
Wenn rechter Hand das größte Bekleidungsgeschäft Herfords liegt (Klingenthal), halten wir uns links und folgen dem Gehrenberg. Nach wenigen hundert Metern erreichen wir den Linnebauerplatz.
Bild folgt.
Wenn man hier einen kleinen Abstecher nach rechts macht, die Straße nennnt sich in Erinnerung an den kleinen Fluß, der hier mal floß, “An der Bowerre”.
Hier steht diese alte Gebäude – eine ehemalige Bonbonfabrik.

Wir kehren wieder um und gehen weiter durch die Fußgängerzone und erreichen den Neuen Markt, in der Herforder Neustadt.
Die Kirche am Neuen Markt nennt sich St. Johannis und ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche der Herforder Neustadt, die 1220 gegründet wurde.
St. Johannis in der heutigen Form, wurde in mehreren Bauabschnitten von etwa 1250 bis 1370 im gotischen Stil errichtet. Der Turm von St. Johannis hat leider eine extrem wechselvolle Geschichte hinter sich. Er fing durch Funkenflug bei dem Stadtbrand von 1638 Feuer und wurde total zerstört. Daraufhin errichtete man einen neuen, 85 m hohen Turm und mußte feststellen, dass dieser sich in der Folgezeit immer weiter neigte. Einen schiefen Turm gab es also nicht nur in Pisa. Der Turm von St. Johannis war tatsächlich als “schiefer Turm von Herford“ sehr bekannt. Da die Neigung zu sehr fortgeschritten war und Einsturzgefahr bestand wurde der Turmhelm 1885 abgetragen und durch einen neuen ersetzt. Dieser maß jetzt sogar 80m Höhe! St. Johannis hatte jedoch weiterhin Probleme mit dem Untergrund die sich dann noch einmal verschlimmerten, als die städtische Kanalisation gebaut wurde. Die Kanalisation führte das zu einem gravierenden Absinken des Grundwasserspiegels und da man den Turm beim letzten Bau mit Eichenpfähle fundamentiert hatte, verrotteten diese jetzt. Daraufhin trug man von 1906 bis 1910 den Turm komplett ab, baute ein neues, stabileres Fundament und errichtete den Turm neu. Man verwendete zwar das alte Material und errichtete den Turm in alter Form, man spendierte ihm jedoch ein Geschoss weniger, was 7 m ausmacht. Der Turm von St. Johannis ist zwar immer noch der höchste Kirchturm Herfords, hat jedoch nur noch eine Höhe von 71 m.
Die Glasfenster von St. Johannis gehören übrigens zu den ältesten in ganz Westfalen (!) und stammen zum Teil noch aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Durch den Einsatz des damaligen Pfarrers Helmut Gaffron wurden die Fenster im 2. Weltkrieg beim Bombenangriff auf Herford, im Mai 1940, vor der Zerstörung gerettet.
Die Inneneinrichtung von von St. Johannis ist ebenfalls künstlerisch wertvoll, da sie aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammt.
(Auf dem Bild wirkt der Turm übrigens nur schief, durch die Verzerrung der Weitwinkel-Aufnahme. Der Turm steht heute selbstverständlich gerade 🙂 )

Im Bild oben, kann man hinter dem Brunnen dieses rötliche Haus sehen. Es ist das Geburtshaus von Otto Weddigen (* 15. September 1882 in Herford; † 18. März 1915 auf See vor Schottland). Otto Weddigen war ein berühmter U-Boot Kommandant und Kapitänleutnant der U-9.
Heute finden in dem Gebäude Veranstaltungen aller Art statt.
Wir folgen weiter der Fußgängerzone bis zum Ende. Dieser Abschnitt heißt Lübberstraße, abgeleitet von dem schon zuvor erwähnten Hof Libbere.



Die breite Straße vor der die Fußgängerzone endet und vor der wir jetzt stehen, ist die Berliner Straße. Wir nehmen den linken Fußgängerüberweg und gehen weinige Meter weiter gerade aus.
Hier stand einst ein weiteres großes Stadttor – das Lübbertor.
Noch vor der Brücke biegen wir links ab auf den Lübbertorwall. Auch wenn von der Stadtbefestigung nur noch die beiden Stadtmauerreste vorhanden sind, die gesamte Herforder Wallanlage ist heute ein Fußweg und kann erwandert werden.
Nach wenigen hundert Metern, die Werre beschreibt hier einen leichten Bogen, sieht man ein Haus, das heute zwar in Privatbesitz ist, aber einstmals von einem sehr bekannten Herforder Unternehmer gebaut und bewohnt wurde – Kommerzienrat Wilhelm Siveke, Gründer der Leprinxol Werke (Schmierstoffe) (https://www.leprinxol.de/ueber-uns/ + https://www.leprinxol.de/assets/Uploads/Downloads-12.2019/Lep-Chronik-2018.D.pdf



Nur wenige Meter weiter, zur Linken des Wall-Weges liegt ein kleiner Park mit dem Wittekind/Widukind Denkmal, das 1896 errichtet wurde.
Wer war Widukind?
Widukind, oder auch Wittekind, führte den Titel „Herzog der Sachsen” und stammte aus einem westfälischen Adelsgeschlecht. In den Sachsenkriegen führte er in den Jahren 777 bis 785 den Widerstand gegen Karl den Großen. Das Denkmal geht auf folgende Sage zurück: Eine Tages, während der Sachsenkriege, ging Widukind als Bettler verkleidet in einen christlichen Gottesdienst, der in sehr beeindruckt hat.

Kurze Zeit später ritt er über den Kamm des Wiehengebirges und sinnierte darüber, welches wohl der richtige Glaube sei. Er war sich aber nicht sicher und wünschte sich ein Zeichen, ob das Christentum die richtige göttliche Lehre sei. An der Stelle, wo heute die Kirche des Bad Oeynhausener Ortsteils Bergkirchen steht, blieb sein Pferd stehen, scharrte einen Stein los, woraufhin eine Quelle hervor sprudelte. Er ließ sich draufhin zum Christentum zu bekehren, gab sich kriegerisch geschlagen und unterwarf sich Karl dem Großen. Oberhalb der Quelle ließ Widukind daraufhin eine Kirche erbauen. Die besagte Bad Oeynhausener Kirche ist ein Nachfolger dieser Kirche.



Wir gehen den Wilhelmsplatz entlang bis zum Ende an der Schillerstraße. Zu beiden Seiten stehen schöne Villen.
Wir biegen nach links in die Schillerstraße und gehen so weit, bis wir auf der rechten Seite den letzten Rest Bowerre sehen könnnen. Jetz beigen wir nach links in den Schulwall ein und an dessen Ende gehen wir links an der Wilhel-Oberhaus Schule vorbei, und danach den Fußweg rechts hoch bis zur Strasse “Am Pulverturm”. Hier halten wir uns links. Als man in den 60ern den Innenstadtring baute (Freigabe des 2. Bauabschnitts am 5. Juli 1968), verkamen einige Strassen zur Bedeutungslosigkeit – so auch die Straße Holland, an der man noch schöne originale Herforder Bebauung sehen.
Bilder folgen
Die breite Straße ist wieder der Innenstadtring (Berliner Straße), den wir überqueren und so weit zurück gehen, bis wir zum Stephansplatz kommen. Zu erkennen an der “Alten Post” auf der anderen Straßenseite.
Blick zurück in die Berliner Straße (Innenstadtring)

Der Platz, der seit dem Bau des Innenstadtrings kein Platz mehr ist, sondern eine Kreuzung wurde 1897 nach Heinrich von Stephan benannt, der der Organisator des deutschen Postwesens war und 1895 das neue kaiserliche Hauptpostamt (Einweihung 16. Juni 1895) besichtigt hat. Der Poststandort wurde leider 1977 aufgegeben. Ich war damals gerade 16 Jahre alt, kann mich aber noch gut an die alten Schalter erinnern, wie man sie heute nur noch in Filmen sieht. Leider meinte man in den Jahren damals, man müßte alles Alte “platt” machen. Eine Hauptpost, die richtig was hermacht, hat Herford heute nicht mehr. Eine Besonderheit: Der Platz hat kein Namensschild und wird nur in Karten so genannt, das ehemalige Postgebäude hat die Adresse “Auf der Freiheit 1”. Den Giebel ziert “Hermes”, Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten.



Wir biegen nun ab und gehen über die Kopfsteinplaster-Straße in Richtung Münsterkirche.
Rechter Hand hatte man bei Ausgrabungen Mauern des Kreuzganges des Stifts Herford freigelegt und rekonstruierte diese daraufhin.



Nur wenige Meter weiter steht die kleine Wolderus-Kapelle. Das Gebäude das Sie sehen, stammt aus dem Jahre 1735. Der Vorgängerbau gilt als die älteste Kirche der Stadt und stammte aus dem Jahre 1285. Hier soll der Stiftsgründer Waltger (auch Wolderus genannt) († 825) begraben sein. Seit 1962 dient die Wolderuskapelle der griechisch-orthodoxen Gemeinde als Nektarios-Kapelle.



Hinter der Wolderus Kapelle steht die Münsterkirche.



Blick auf den Rathausplatz
Wie zuvor schon erwähnt, stand auf dem “Alten Markt” das Altstädter Rathaus. Das war erstens zu klein für eine Stadtverwaltung, es behinderte den Abfluß des Verkehrs auf dem Alten Markt und der damalige Bürgermeister Quentin fand es, auf Grund des Renaissancestiles, auch nicht zeitgemäß und drängte auf einen Abriss. Danach wurde die Verwaltung auf mehrere Gebäude in der Stadt verteilt, was ein unzumutbarer Zustand war. So wurde 1911 der Bau eines neuen Rathauses beschlossen. Es gab eine Ausschreibung und einen Ideenwettbewerb, auch wenn der Standort noch gar nicht feststand. Zu Beginn des Jahres 1912 hat die Stadt dann beschlossen, das Rathaus auf dem Geländes des ehemaligen Stifts zu errichten. Nachdem das Stift aufgelöst worden war, wurden die Gebäude an den Kaufmann Schönfeld verkauft, der die Gebäude für eine Spinnerei nutzte. Die Ausschreibung gewann der Architekt Paul Kanold. Im Winter 1913/1914 wurde der Bauplatz vorbereitet und alle Gebäude von Mitarbeitern des städtischen Fuhrparks abgebrochen. Baubeginn war am 5. April 1914. Es fanden auch umfangreiche Erdarbeiten statt, da es einen Höhenunterschied zum Münsterkirchplatz gab, der auf einem Hügel und damit wesentlich höher lag. Die Ämter zogen von 1916 bis Anfang 1917 ein. Die Schlüsselübergabe des Architekten Paul Kanold an den Oberbürgermeister Wilhelm Busse erfolge am 7. Februar 1917. Das Gebäude ist wie ein U aufgebaut. Der Hauptflügel ist 87 m langen und 30 m hoch, die Seitenflügel sind 48 m lang und 23 m hoch.

Aufe dem Rahrhausplatz kann man sich auch die gerade renovierte Markthalle anschauen.
Bild folgt
Aber wenden wir uns wieder der Münsterkirch zu. Steht man vor der Kirche und geht rechts an ihr vorbei, findet man weiter hinten die “Sieben Sonnen”
Was die sieben Sonnen zu bedeuten haben, dazu gibt es mehrere Thesen.
1. Die These die ich als Kind im Heimatkund Unterricht gelernt habe ist die: Im Jahr 1000 wollte die Herforder Äbtissin eine größere Kirche bauen, doch man stellte fest, dass der Boden zu sumpfig war, um eine größere Kirche zu tragen. Die Äbtissin und die Nonnen flehten die Jungfrau Maria um Hilfe an und am nächsten Morgen erschienen sieben Sonnen statt einer und trockneten den Sumpf aus.
Zum Andenken an dieses Wunder, brachte man die 7 Sonnen an.
2. Dort wo heute die Kirche steht, soll ein Hof gestanden haben, der „Das Haus zu den sieben Sonnen“ genannt wurde.
3. Darstellung der Plejaden, eines uralten keltisch-germanischen Symbols, das auch auf der Himmelsscheibe von Nebra aufscheint. Das Erscheinen des hellen Sternhaufens der Plejaden (um den 10. März) markiert das Ende der Winterzeit und den Beginn der Ackerbestellung.
Als wir als Kinder in der Grundschule von der Sage mit den sieben Sonnen hörten, waren wir natürlich faziniert. Bei Bodenuntersuchungen rund um die Münsterkirche hat man aber festgestellt, das hier niemals ein Sumpf existiert hat. Auf der anderen Seite ist die Kirche St. Johannis nicht weit enfernt, und dort hatte sich ja mal der Turm auf Grund des sumpfigen Untergrundes geneigt.



Der Münsterkirchplatz vor dem Sieben-Sonnen-Fenster.

Den Münsterkirchplatz überqueren wir schräg und biegen dann nach rechts in die Elisabethstraße ein. Zur linken steht diese tolle Zeile mit Fachwerkhäusern…..

…..auf der rechten Seite das Haus der Äbtissin
Bild folgt

Wir folgen der Elisabethstraße bis zur Einmündung der Abteistraße (zwischen Markthalle und Sparkasse) und gehen die Abteistraße entlang bis zum Innenstadtring.
Zwischendurch hat man noch einmal einen Blick auf die Münsterkirche.

Wir gehen nun weiter bis zum Innenstadtring. In diesem Abschnitt ist es nicht mehr die Berliner Straße, sondern “Auf der Freiheit”. Wir biegen hier links ab und gehen nur wenige Meter um dann in die Straße Janup einzubiegen.
Hier kann man noch in sehr alte Hinterhöfe blicken. Sieht nicht schön aus, aber historisch.



Am Ende des Janup geht man auf einen großen Platz zu, der die “gute Stube Herford’s” genannt wird – der “Gänsemarkt”.

Bis in die 80er Jahre herrschte hier reger Autoverkehr, doch auf Bestreben der Gemeinschft Radewig e.V. wurde der Platz umgebaut und 1985 an die Herforder Fußgängerzone angeschlossen.
Der Platz gilt als der schönste Platz Herford, doch früher konnte man hier durchfahren und parken und dadurch auch schnell mal etwas einkaufen. Die Geschäfte in der Radewig, haben es heute hingegen extrem schwer.


1978 wurde auf dem Gänsemarkt der Brunnen „Wiederkehrende Gänse“ aufgestellt. Geschaffen wurde der Gänsebrunnen vom Bildhauer Bruno Buschmann aus Oerlinghausen.



Das Haus mit der roten Backsteinfront, Gänsemarkt 3, wurde von meinen Vorfahren erbaut. Meine Großeltern lebten in dem Haus und somit war der Gänsemarkt für mich auch immer so etwas wie Heimat.

Das Bild oben ist ein Blick zurück vom Anfang der Radewiger Strasse auf den Gänsemarkt. Schaut man hier mal auf die linke Seite des Bildes, sieht man den Anfang der Brudtlachtstrasse (mit dem Spielstrassen-Schild), die dem ehemaligen Bürgermeister der Radewig gewidtmet ist. Auch diese Strasse war mal belebter und ist sehr ruhig geworden, seit der Gänsemarkt Fußgängerzone ist.


Geht man in die Brudtlachtstrasse, erreicht man nach 110m das Daniel-Pöppelmann-Haus. Der Blick zurück zeigt die kleine Gasse.



Das Daniel-Pöppelmann-Haus.
Das Daniel Pöppelmann Haus ist ein Museumskomplex, der nach dem Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann benannt wurde.
Der eine Komplex ist ein Heimatmuseum, das in der Villa Schönfeld untergebracht ist, die auf dem unteren Bild zu sehen ist.
Erbaut hat die Villa Schönfeld der Textilfabrikant Heinrich Schönfeld Bauzeit war von 1874 bis 1876.
1940 verkaufte die Familie Schönfeld das Gebäude an die Stadt Herford. Diese überließ 1941 die Villa dem „Herforder Verein für Heimatkunde“, der geplant hatte ein städtisches Museum mit einer Ausstellung zur Stadtgeschichte einzurichten.Von 1974 bis 1975 kam ein moderner Anbau erweitert, der seitdem vom „Herforder Kunstverein“ für Ausstellungen und Vorträge genutzt wird. Seit 1975 tragen die Schönfeld-Villa und der Erweiterungsbau zusammen die Bezeichnung Daniel-Pöppelmann-Haus.
Schauen Sie doch einmal, welche interessante Ausstellung der Kunstverein Herford an diesem Tage ausstellt. Es sind oft sehr interessante Aussttellungen, vor allem, wenn ein Mitglied des Kunstvereins durch die Ausstellung führt und die Bilder interpretiert. Das Marta ist ja eher für moderne Kunst, das Daniel Pöppelmann hat aber uach schon mal Ausstellungen “alter Meister”.

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