USA Westen Rundreise, 23.08.2009, Truckee - Bodie - Lee Vining (Mono Lake)

Heute ging die Tour schon wieder weiter. Nächster Halt sollte die Geister-Stadt Bodie sein und Endstation Lee Vining am Mono Lake, nahe der Einfahrt zum Yosemite Nationalpark.
Erst aber ging es um den halben Lake Tahoe. Eine sehr schöne Gegend mit viel Wald.


Der Lake Tahoe ist ein Süßwasser-See in der Sierra Nevada. Die Grenze zwischen Kalifornien und Nevada geht fast senkrecht und fast mittig durch den See



Die Fläche des Sees beträgt 496,2 km²



Leider war das Wetter mal wieder nicht das Beste







So oder ähnlich hätte es eigentlich am Lake Tahoe aussehen sollen.

© Mariusz Blach / Adobe Stock. Bild Nummer:86881450



Info Lake Tahoe
Höhe über dem Meeresspiegel: 1.897 m
Fläche des Sees: 496,2 km²
Länge des Sees: 35 km
Mittlere Tiefe des Sees: 300 m
GPS-Position: 39°05’32.1″N 120°02’08.3″W
Homepage des Besucher Büros: https://visitinglaketahoe.com/
Unser nächstes Etappenziel sollte das Ghost-Town Bodie sein – ein altes verlassenes Goldgräberdorf. Derer gibt es viele in den USA, doch aus den einen ist eine richtige Stadt geworden, die anderen wurden verlassen, dritte wiederum wurden touristisch ausgeschlachtet. Bodie ist eine dieser verlasssenen Geisterstädte. Nirgendwo ein Kassenhäuschen bei dem man den Eintritt blechen muß, nirgendwo eine Ranger Station, eine alte Goldgräberstdt die verlassen und sich selbst überlassen wurde. Klasse, vorausgesetzt es ist so wie im Reiseführer beschrieben.
Mir ist im Ort Bridgeport nicht aufgefallen, dass das Navi nicht die Strecke fuhr, die ich ausgearbeitet hatte. Das irgendwann die Straße aufhörte nahm ich zwar zur Kenntnis doch es würde uns schon richtig führen. “Alle Wege führen nach….Bodie”.


Es wurde immer einsamer und es ging immer weiter in die Berge.



Irgendwann fuhren wir auf einer Art Hochplateau – tolle Aussicht hier oben.



Ein weiteres Problem: selbst mit unserem Toyota Rav4 war kaum noch ein Durchkommen. Der halbwegs befestigte Weg wurde immer schlammiger und der Allrad hatte ganz schön zu kämpfen. Auf diesem Hochplateau konnte man sehr weit gucken, aber es war kein Bodie zu sehen. Das konnte doch nicht sein! Es war uns auch schon seit Stunden kein Fahrzeug mehr entgegen gekommen. Merkwürdig. Wir fuhren immer höher, es wurde immer kälter und immer öfter wähnte uns das Navi “Offroad”. Laut Smartphone waren wir einer 3000er Höhe näher als der 2000er. STOP riefen alle und unser Fahrer, es war glaube ich, der Sohn meiner Partnerin, bremste. Vor uns ein riesiges Wasserloch auf dem Weg. So wie der Rand abfiel konnte man vermuten, das dieses Loch sehr tief war. Einfach umfahren ging auch nicht. Zu felsig und zu unwegsam das ganze Gelände ringsherum.


Da wir uns ohnehin nicht mehr auf dem richtigen Weg wähnten, beschlossen wir umzukehren.



Folgendes Bild zeigt, wie wir hätten fahren müssen und wie wir gefahren sind:
Laut Wikipedia hat der Potato Peak, in dessen Rücken wir fuhren, eine Höhe 3120m und die Bodie Mountains ein Höhe von 2269 m.

Die untere waagerechte Route führte uns dann auf ausgewiesener, wenn auch unbefestigter Straße, Highway 270, nach Bodie.


Wir hatten tatsächlich den Bodie State Historic Park erreicht – wenn auch über Umwege.



Wer hier Gold gefunden und seinen Claim abgesteckt hat, dazu gibt es unterschiedliche Quellen. Die einen sprechen von William S. Bodey, andere von Waterman S. Bodey. Dieser fand genau hier Gold, kam aber schon kurze Zeit um, als er bei einer Fahrt in die nächste Stadt in einen Schneesturm kam. Seine Familie gründete dann die Gioldgräberstadt Bodie und ab 1861 wurde Gold abgebaut. Anfangs habe ich immer gedacht, der Ort müßte Body geschrieben werden, doch das würde in der Übersetzung “Leiche” bedeuten. Um genau die Assoziation mit dem Wort “Leiche” zu verhindern, nannte die Familie den Ort ganz bewußt Bodie.



Die Firma die das Gold abbaute war die “Standard Company” und diese stieß 1876 auf eine sehr ergiebige Goldader. Das wiederum führte dazu, dass die Stadt rasant wuchs. Innerhalb von nur vier Jahren stieg die Einwohnerzahl auf 10.000 an. in Bodie.



Das brachte aber auch Probleme mit sich. So gab es in der Blütezeit des Ortes 65 Saloons, sieben Brauereien, zahlreiche Bordelle und eine Opiumhöhle. Wo es so viele Saloons und Alkohol gibt, gibt es auch Verbrechen. Man kann sich vorstellen, dass Morde und Überfälle an der Tagesordnung waren.



Bodie genoß einen sehr schlechten Ruf und galt als die gesetzloseste Stadt des Westens. So ist ein Tagebucheintrag eines kleinen Mädchens überliefert die folgende Zeile in ihr Tagebuch schrieb: „Goodbye God, I’m going to Bodie!“ was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Auf Wiedersehen Gott, ich ziehe nach Bodie!”



Dank der geringen Luftfeuchtigkeit blieben viele Gebäude, Gerätschaften….



…..und Autos relativ gut erhalten. Bodie gilt heute als das besterhaltene Ghost-Town der USA.



Die Tankstelle hat man wohl irgendwann mal restauriert.





Wenn man in einige Häuser, die noch gut erhalten sind, hinein schaut, kann man gut sehen, wie die Menschen früher gelebt haben müssen.



Nach einigen Jahren war die Mine “ausgebeutet” und der Betrieb lohnte sich nicht mehr. Da es hier sonst nichts gab, was die Menschen hier hätte halten können, verließen immer mehr Einwohner Bodie und offiziell wurde Bodie 1930 aufgegeben.
Einige Einwohner blieben aber und versuchten weiterhin ihr Glück. Ich habe mich immer gefragt, dass bei 10000 Einwohnern doch mehr Gebäude vorhanden sein müßten, doch 1932 gab es einen Grossbrand bei dem z.B. das gesamte Geschäftsviertel im Stadtzentrum zerstört wurde.
1949 schloss das Postamt seine Pforten und in den 1960 Jahren war Bodie vollkommen verlassen.



Info Bodie State Historic Park
Erbaut: 1859 – 1930er Jahre
Aufnahme ins National Register of Historic Places: 4. Juli 1961
GPS-Position: 38°12’41.7″N 119°00’45.4″W
Homepage: http://www.parks.ca.gov/?page_id=509


Danach ging es weiter. Wir mußten auf dem Highway 270 wieder zurück und fuhren auf der US-395 Richtung Lee Vining.


Bei 38°04’27.0″N 119°10’35.8″W erreichten wir den Mono Lake Vista Point, von wo aus man den Mono Lake gesamthaft fofografieren kann.








Wir erreichten Lee Vining. Hier hatte ich das Murphey’s Motel gebucht. Murphey’s Motel ist ein schlichtes Motel im Chalet-Stil und liegt direkt am Highway 395. Die Zimmer sind aber ruhig. Von hier sind es 3,2 km zum Mono Lake und 22,5 km zum Tioga-Pass-Eingang, dem Eingang zum Yosemite-Nationalpark.
Lee Vining hatte um 2009 lediglich 222 Einwohner. Wo konnte man in diesem kleinen Örtchen etwas zum Abend essen? Wir fanden einige Häuser weiter in Richtung Mono Lake eine Pizzeria. Ob es die heute noch gibt kann ich natürlich nicht sagen, aber auf einer Google Street View Aufnahme wird mir die Pizzeria noch als WiseGuy’s Pizzeria angezeigt. Bei uns waren die Augen wohl größer als der Hunger. Wir bestellten die größte Pizza zum Mitnehmen und saßen etwas später mit einer Pizza auf unserem Zimmer, die einen gefühlten Durchmesser von 1 Meter hatte. Wahnsinn!
Wir waren jedenfalls rundum zufrieden, wenn auch ein wenig fertig von der Bodie-Irrfahrt, von der wir heute noch oft sprechen.

rueckwaerts vorwaerts

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