Zusammenfassung Frankreich-Urlaub 2023

Wie schon am Anfang geschrieben, stand ich einem Frankreich Urlaub sehr skeptisch gegenüber. Das hat mit eigenen beruflichen Erfahrungen, aber auch mit Erfahrungen von Freunden zu tun, die beruflich öfters in Frankreich unterwegs waren.

Doch ich bin angenehm überrascht.
Ja, mit Englisch kommt man nicht allzu weit in Frankreich und mit Deutsch noch weniger. Das war immer schon so und hat sich bis heute nicht geändert. Aber auf der anderen Seite haben sich die Franzosen etwas bewahrt, was man so in Deutschland nicht mehr antrifft.
Gleich vorweg. Ich schreibe hier über die Normandie und Bretagne die größtenteils ländlich geprägt sind. Kann natürlich sein, dass das in Paris oder im Süden Frankreichs (Marseille, Nizza….) wieder ganz anders ist.

Wirtschaft

Da die Bretagne und Normandie ländlich geprägt sind, findet man hier, soweit ich das beurteilen kann, hauptsächlich Agrarbetriebe und Mittelstand.
Wenn ich die Landwirtschaft mit der im Allgäu vergleiche, wird in der Normandie und Bretagne noch ganz klassisch Roggen, Gerste, Hafer und Weizen angebaut. Auf unserer Fahrt sind wir aber auch an vielen Sonnenblumenfeldern vorbei gekommen, wie sie auch schon von vielen Malern verewigt wurden. Zum Zeitpunkt unserer Reise aber leider schon verblüht. Das muss ja traumhaft schön aussehen, wenn die Sonnenblumenfelder alle in voller Blüte stehen.
Im Allgäu hingegen lässt man die Felder brach liegen und haut dann hauptsächlich Gras für z.B. Kühe.
Felder in der Normandie und Bretagne sind das dann aber gleich mal Felder, die bis zum Horizont reichen (zugegeben, etwas übertrieben).
Wenn man sich die Dörfer anschaut, denkt man, man ist im Deutschland der 60er / 70er Jahre. Hier gibt es noch den Bäcker, der um vier Uhr in der Nacht in der Backstube steht und Brot und Brötchen/Semmeln backt. Keine Unkultur a la Backwerk, wo die Rohlinge aus einer Fabrik, oder sogar aus dem Ausland kommen und wo “frisch”, “frisch aufgebacken” bedeutet. Die Gier, wie man noch mehr an einem Brot oder Brezn verdienen kann, kennt in Deutschland keine Grenzen.
In diesem Teil Frankreichs gibt es auch noch den regionalen Schlachthof und die Metzger, die selber schlachten. Da hängen die Schweinehälften auch schon mal in der Metzgerei von der Decke. Ich wusste gar nicht, dass so etwas in Europa noch gibt. Soweit ich das beurteilen kann, gibt es in der Bretagne/Normandie keine Monster-Schlachtfabriken , die 20 Millionen Schweine im Jahr schlachten.

Die Sprache

Die Franzosen sind ein sehr stolzes Volk und wehren sich seit Jahren gegen Anglizismen in ihrer Sprache. Das ging vor vielen Jahren so weit, nur als Beispiel, dass man den Ausdruck “Hot Dog” in einen französischen Begriff umwandeln wollte. Da wundert es nicht, dass viele Franzosen kein Englisch oder Deutsch sprechen mögen, selbst wenn sie es mal gelernt haben. Begriffe wie “Sale” in den Läden, sucht man hier vergebens. Für Touristen kann das schon mal nervig sein, wenn sich der Franzose dem Englischen oder Deutschen verweigert.
Bei einem Urlaub im französisch-sprachigen Teil Kanada’s erklärte uns mal ein Reiseführer, daß man es den Touristen hoch anrechnet, wenn man es zumindest versucht. Bontour (Guten Tag) und merci beaucoup (vielen Dank), sollte man sich als Tourist daher einprägen und anwenden!
Aus meinen beruflichen Begegnungen mit Franzosen habe ich den wichtigsten Satz gelernt: Une bouteille de vin rouge et deux verreise (Eine Flasche Rotwein und zwei Gläser) 🙂 !
Spaß beiseite, ganz ehrlich? Französisch ist eine sehr melodische Sprache, die ich sehr gerne höre. Das klingt zum Teil super schön, wenn z.B. ein Ober gutes Französisch spricht!
Aber wo wird eigentlich das reinste und schönste Französisch gesprochen? Was den Hannoveranern das beste Hochdeutsch, oder den Engländern das Oxford Englisch ist den Franzosen das Französisch in Tours.

Die Menschen

Das ist nun eine Rubrik, die mich am meisten erstaunt hat.
Wenn ich in München morgens in der U-Bahn sitze und mich umschaue, fallen mir zwei Dinge sofort auf. Erstens: Alle daddeln mit ihren Handys. Nur wenige schauen auf. Früher hat man geflirtet (das kennt heute niemand mehr), heute surft man im World Weide Web. Viele haben ihre Handy’s auf laut, damit jeder mithören kann, wie wichtig man ist.
Zweitens: Viele junge Menschen haben Jogginghosen an – ausgebeult, vorne gelbe Flecken, hinten braune Flecken und man erkennt, daß die Hose mit der er/sie zur Firma fährt, schon in der Nacht getragen wurde. Ekelhaft. Wie hat schon Carl Lagerfeld gesagt:„Jogginghosen sind das Zeichen einer Niederlage. Man hat die Kontrolle über sein Leben verloren und dann geht man eben in Jogginghosen auf die Straße.“
Nicht so in der Normandie und Bretagne!
Wenn man in einer Patisserie sitzt und längere Zeit nach draußen schaut und die Menschen sowohl in der Patisserie, als auch in der Fußgängerzone beobachtet stellt man folgendes fest: Hier hat niemand, absolut niemand, ein Handy in der Hand und auf der Straße schon gar nicht!
Zweitens: Hier trägt niemand Jogginghose!
Ob übermäßiger Handygebrauch oder Jogginghose, keines von beiden habe ich in den zwei Wochen zu Gesicht bekommen.
In St. Malo kamen nachmittags viele Schüler/Jugendliche an den Strand. Niemand von denen hat auch nur ein einziges Mal das Handy gezückt und das legerste was die Schüler und Schülerinnen anhatten, waren Leinenhosen! Nix Jogginghose.
In den Fußgängerzonen der Städte auf unserer Reise sahen wir nur gut gekleidete Männer und Frauen. Jetzt weiß ich weshalb die Haute Couture in Frankreich zu Hause ist.
Kleidung ist in Frankreich teurer als in Deutschland. Wenn man so durch die Boutiquen geht, schlackert man mit den Ohren. Puuuhh, das sind Preise, Wahnsinn! Das müßte doch aber eigentlich bedeuten, dass die Franzosen mehr verdienen, wenn sie sich immer chic kleiden. Weit gefehlt. Das Durchschnittseinkommen in Frankreich liegt 10% unter dem Deutschen, was bedeutet, daß die Franzosen sich ihre Kleidung, usw. etwas kosten lassen! Hätte ich nicht für möglich gehalten.

Chapeau!

rueckwaerts
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