Am Ankunftstag zuvor waren wir ja noch durch den kleinen Ort gegangen, wo wirklich nicht viel los ist und wir fragten uns, was wir dann jeden Abend machen sollten.
Ich hatte mich aber über Mühlbach ein wenig kundig gemacht und so klein und unbedeutend ist der Ort gar nicht.
Mühlbach, italienisch Rio di Pusteria, blickt auf eine erstaunlich lange Geschichte zurück und lag über Jahrhunderte an einer strategisch wichtigen Stelle.
Mühlbach befindet sich dort, wo das Pustertal in das Eisacktal übergeht und sich die Wege in Richtung Brixen, Bruneck und weiter nach Osttirol verzweigen. Gleichzeitig zweigt hier die Straße hinauf nach Meransen und auf das Hochplateau rund um Gitschberg und Jochtal ab. Diese Lage machte Mühlbach schon früh zu einem wichtigen Durchgangsort für Händler, Reisende und natürlich auch für Truppen.
Bereits im Mittelalter entwickelte sich Mühlbach zu einem kleinen wirtschaftlichen Zentrum. 1269 erhielt der Ort das Marktrecht, und noch heute erinnert die Bezeichnung Marktgemeinde an diese Zeit. Händler und Handwerker ließen sich nieder, Waren wurden umgeschlagen und Reisende machten hier Station.
Dass man den Verkehr durch das Tal damals sehr genau kontrollieren wollte, sieht man wenige Kilometer östlich des Ortes besonders eindrucksvoll an der Mühlbacher Klause. Die befestigte Zoll- und Straßensperre lag direkt an der alten Straße ins Pustertal. Wer hier hindurch wollte, konnte kontrolliert und zur Zahlung von Abgaben verpflichtet werden. Gleichzeitig ließ sich der schmale Taleingang militärisch vergleichsweise einfach sichern.
Die Klause wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und befestigt. Noch heute vermitteln ihre Mauern und Türme einen guten Eindruck davon, wie wichtig dieser Verkehrsweg einmal gewesen sein muss. Für mich gehört sie zu den Sehenswürdigkeiten, die man sich unbedingt anschauen sollte, wenn man in Mühlbach unterwegs ist.
Im Ort selbst bildet die zuvor erwähnte Pfarrkirche St. Helena einen der geschichtlichen Mittelpunkte. Ihre Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück, und trotz zahlreicher Umbauten sind noch romanische und gotische Bauteile sowie alte Fresken erhalten. Zusammen mit den historischen Häusern rund um den Ortskern erinnert sie daran, dass Mühlbach eben nicht nur ein moderner Ferienort ist.
Heute geht es wesentlich friedlicher zu. Mühlbach ist ein angenehmer Ausgangspunkt, um das Pustertal, Brixen und das Eisacktal zu erkunden. Mit der Seilbahn erreicht man von hier außerdem bequem Meransen, von wo aus es weiter hinauf in die Bergwelt des Gitschbergs geht.
Gerade diese Mischung hat mir an Mühlbach gefallen: Der Ort ist klein und überschaubar und wirkt zunächst beinahe unscheinbar. Gleichzeitig stößt man überall auf Spuren seiner Vergangenheit. Wenn man weiß, welche Bedeutung die Straße durch diesen engen Taleingang früher hatte, betrachtet man Mühlbach plötzlich mit ganz anderen Augen.
Und vielleicht ist genau das der Reiz des Ortes: Mühlbach muss sich nicht mit großen Sehenswürdigkeiten in den Vordergrund drängen. Man muss sich nur ein wenig Zeit nehmen und genauer hinsehen.
Und dann sind da noch die vielen Ausflugsziele, die man von Mühlbach aus erreicht.
An diesem Montag nahmen wir unser erstes Hotel-Frühstück ein. Auf dem Tisch lag immer ein Faltblatt mit den Gerichten des Tages, aus denen man auswählen sollte. Man kreuzte das an, worauf man Appetit hat uns ließ das Blatt am Tisch liegen, da der fest zugewiesen war. Auf diesem Faltblatt standen aber auch immer Vorschläge, was man in der Umgebung so unternehmen kann. An diesem Tag wurde das schönste Almdorf Südtirols als Ausflugsziel vorgeschlagen. Das klang gut und wir haben uns entschieden diesen Ausflug zu machen.
Auf eine Karte der Anfahrt verzichte ich, da das Bild hierunter einen GPS- Link zu dem Parkplatz hat.
Der Parkplatz war der Parcheggio Valles Berg am Boden oder auf de: Parkplatz Vals Berg am Boden

Man hätte auch noch weiter fahren können bis zum Parkplatz der Fane Alm, aber wir waren ja nicht zum Auto fahren her gekommen.

Von hier, dem Talschluss im Walsertal, wandert am auf die Fane Alm (1.739 m), über den sogenannten Milchsteig. Das ist eine mittelschwierige und erlebnisreiche Wanderung zum “schönsten Almdorf Südtirols”.
Der Weg zum Almdorf verläuft über die Kurzkofelhütte (1.422 m). An der ersten Informationstafel beginnt der „Milchsteig”, der den Wanderern das Thema Südtiroler „Milch” näherbringt.
Entlang des Milchsteiges, werden an Informationstafeln interessante und unbekannte Daten und Fakten angeführt.
Wer weiß denn schon, dass mehr als die Hälfte der Gesamtfläche Südtirols oberhalb von 1.500 Metern Meereshöhe liegt und die mittlere Neigung der Bergwiesen um die 30% beträgt? Oder daß Südtirol die einzige geschlossene Region Europas ist, die flächendeckend ihre Milch und die Milchprodukte als gentechnikfrei kennzeichnen darf?
Insgesamt eine traumhaft schöne und lehrreiche Tour in den Pfunderer Bergen (Südliche Zillertaler Alpen).



Gegen 11:45 erreichten wir den Parkplatz der Fane Alm.
Von hier waren es noch einmal 10 Minuten/450 Meter zur Fane Alm. Zuvor hatte man jedoch schon einen schönen Ausblick auf das Dorf.






Wir haben uns im Dorf umgesehen. Alles super schön gemacht und erhalten.
Was nun? Wieder umkehren? Nein, das war uns zu wenig Bewegung. Also sind wir hinter dem Dorf weiter gewandert.







Wir kamen dann an eine Weggabelung. Weiter geradeaus ging es zur Brixner Hütte (3,7km, 1,5 Std., 535 m Höhenunterschied)
Würden wir abbiegen, würden wir zur Labesebenalm wandern (2,9km, 1 Std. 397m Höhenunterschied).
Da wir den Weg auch wieder zurück mussten und rechtzeitig zum Kaffee im Hotel sein wollten, hatten wir uns für die Tour zur Labesebenalm entschieden. Aber erst einmal machten wir kurz Rast und bestaunten das Blumenmeer in den Bergen

Nach einer knappen Stunde erreichten wir dann die Labesebenalm.


Wir bestellten uns jeder ein alkoholfreies Hefeweizen und einen Naturjoghurt mit Beeren. Herrlich!
Wir kamen noch mit der Bedienung, einem jungen Mann ins Gespräch, über die Einsamkeit hier so weit draußen in den Bergen.
Dann brachen wir auf und es ging immer ziemlich bergab, was ganz schön auf die Knie geht. Die Fane Alm hatte sich mittlerweile ganz schön geleert. Offensichtlich ist morgens der größte Andrang und zum Mittag oder Kaffee sind die Meisten dann schon wieder zu Hause oder im Hotel. Auf dem Parkplatz der Fane Alm stand zwar ein Schild, auf dem etwas von einem Shuttlebus zum Parkplatz Vals Berg am Boden stand, aber einen Shuttlebus hatten wir hier die ganze Zeit noch nicht gesehen. Vielleicht ein Ruf-Shuttle? Da wollten wir nicht drauf warten, also sind wir den letzten Rest auch noch gewandert. Als wir am Auto ankamen waren doch etwas erschöpft und freuten uns auf einen Kaffee und Kuchen im Hotel. Anschließend haben wir uns noch etwas an den Pool gelegt.