28.05.2025 Erlebnis Plimaschlucht

Wie abends zuvor geplant, haben wir morgens noch gefrühstückt, haben danach unsere Wanderstöcke ins Auto gepackt und sind dann zur Bushaltestelle Bahnhof Goldrain gefahren, den wir 09:30 Uhr erreichten. Als Endhaltestelle hatten wir den Alpengasthof Enzian in der Nähe des Zufrittsee identifiziert. Die Anfahrt haben wir umweltfreundlich mit dem ÖPNV geplant. Die benötigte Buslinie war die 262.
Verbindungen und Abfahrtszeiten kann man hier erfragen: https://www.suedtirolmubilta.info/de/#/
Wir waren 30 Minuten vor Abfahrt da, weil wir noch schauen wollten, ob man irgendwo mittels des Gästepasses ein Ticket kaufen muß und ob es evtl. einen Automaten zum Entwerten gibt. Im Prinzip war aber Alles einfacher als gedacht und sehr modern.
Der Bus 262 kam sehr früh, lud Fahrgäste aus, der Busfahrer fuhr dann 200 Meter weiter, stellte den Bus in die Pampa und ruhte sich dann noch 20 Minuten aus. Pünktlich um 10:08 Uhr fuhr er aber an der Haltestelle vor. Wir hielten unseren QR-Code des Gäste-Passes vor ein Lesegerät im Bus, ein Signalton verriet ob der Code korrekt gelesen wurde und das war’s.
Um 10:24 Uhr hielt der Bus in Gand. Hier mußten wir umsteigen und das war jetzt das einzige, was uns etwas verwirrt hat – auch in eine Linie 262. Insgesamt gibt es in Gand vier Haltestellen der Linie 262. Irgenwie absurd. Daß wir etwas ziellos durch die Gegend liefen, bemerkte ein Anwohner und fragte in leichtem Dialekt, wo wir denn hin wollten. “Mit dem Bus zur Enzianhütte”. “Dann müßt ihr die Haltestelle auf der linken Seite nehmen.” Er zeigte auf die Straße wo wir gerade herkamen. Wir bedankten uns und und ehe der Bus um 10:35 Uhr kam, blieb noch Zeit für ein paar Fotos. Sehr schön hier!
Im Bild unten zu sehen der Bach Plima, direkt an der Bushaltestelle. Den Bach Plima sollten wir später noch etwas wilder kennenlernen, als hier in Gand.

© P. Krzymek GPS: 46°33′0.00″N 10°46′0.00″E Höhe: 1262.2 m

© P. Krzymek GPS: 46°33′0.00″N 10°46′0.00″E Höhe: 1264.2 m

Der Bus hielt auf einem großen Parkplatz am Alpengasthof Schönblick (46°29’18.6″N 10°41’14.9″E). Wir stiegen aus und wanderten weiter die Straße bergan bis zum Waldrand. Auf einem Schild mit den Wanderwegen suchten wir uns einen aus, der uns zur Zufallhütte führen würde.


Bild unten: Rudis Würstlhütte

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2073.8 m

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2179.2 m

Bild unten: Schon von weitem konnte man die Zufallshütte sehen und wir freuten uns auf einen Apfelstrudel mit Vanillesoße, aber eine Speckknödelsuppe würde es auch tun…… oder eine zünftige Brotzeit.

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2179.2 m

Bild unten: Wir erreichten die Schneegrenze. Mal wieder ein Foto von mir, dem Betreiber dieser Seite.

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2175 m

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2201.5 m

Bevor wir die Zufallhütte erreichten, fiel mir ein “verrostetes Bauwerk” auf. Wir kannten diese “Bauwerke” aus Norwegen. Das sind dann aus Metall gebaute Aussichtspunkte, die sehr abenteuerlich über den Rand einer Schlucht hinaus ragen. Im Zusammenhang mit Tirol hatte ich von der Plima Schlucht gelesen, wo die Südtiroler so etwas auch gebaut haben. Doch dass genau hier auch die Plima-Schlucht lag, wußte ich nicht, oder hatte ich nicht realisiert. Das mußten wir unbedingt sehen und so wichen wir von der Route zur Zufallshütte ab und folgten dem rostigen Aussichtspunkt. Doch zuvor mußten wir über eine Hängebrücke.

© P. Krzymek GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E Höhe: 2222 m

Ganz schön abenteuerlich, die Brücke

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2218.7 m

Bild unten: Blick in die Plima Schlucht

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2212.2 m

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2222.6 m

Was wir natürlich nicht wußten, das Erlebnis Plima Schlucht fängt unten am Parkplatz an und von dort erwandert man der Reihe nach folgende künstlichen Aussichtspunkte:

  1. Kelle
  2. Sichel
  3. Kanzel
  4. Hängebrücke

Da wir an der Hängebrücke waren, hatten wir wohl unwissentlich das Pferd von hinten aufgezäumt, konnten ja aber über den Plima-Schluchtenweg wieder zum Auto wandern. Wir entschlossen uns aber erst mal wieder kehrt zu machen und in der Zufallhütte einzukehren.
Doch als wir an der Zufallhütte ankamen, waren wir extrem enttäuscht.

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2262.2 m

Die Hütte hatte um diese Jahreszeit noch geschlossen. Sch…..
Wir hatten nur einen Apfel und eine kl. Flasche Wasser für jeden mit.
Bild unten: Am Gesicht meiner Partnerin kann man erkennen, wie verärgert wir waren. So ein Mist.


So entschlossen wir uns nicht weiter zu wandern, sondern den Rückweg über den Plima Schluchtenweg einzuschlagen.

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2222 m

Bild unten: Blick zurück auf die geschlossene Zufallhütte.

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2219.5 m

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2167.4 m

Von hier oben kann man auch schon das Ex Hotel “Paradiso di Gio Ponti” erkennen.

© P. Krzymek, GPS: 46°28′0.00″N 10°40′0.00″E, Höhe: 2199.9 m

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2109.1 m

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2103.9 m

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2105 m

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2114.6 m

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2114.6 m

So richtig kann man den Bildern nicht entnehmen, wie spektakulär diese Aussichtspunkte sind. Es gibt auch im Internet keine Drohnen-Bilder die zeigen, wie z.B. “die Kelle” im Bild oben, über den Abgrund ragt.

Beim Abstieg habe ich mir noch das Knie verdreht, als ich im Schnee ausgerutscht bin.
Als wir unten ankamen konnte man sehr gut (die Ruine) vom Ex-Hotel Paradiso sehen, daß auf dem Bild unten hinter den Bäumen erahnen kann.
Was hat es damit auf sich und weshalb Ex-Hotel?

Hotel Paradiso
Das in rot gestrichene Hotel bietet einen tollen Kontrast zu den grünen Wäldern und schneebedeckten 3000dern.
Ganz zu Anfang war es aber grün gestrichen. Eine Aktiengesellschaft hatte das Hotel in Auftrag gegeben und 1933 wurde mit dem Bau begonnen. Fertigstellung war 1935. Der Bauleiter war Oberst Penatti Emilio und für die Architektur war der Mailänder Stararchitekt Gio Ponti verantwortlich.
Das Gebäude ist vom Grundriss her leicht gebogen und hat ein Flachdach. Für die damalige Zeit war das äußerst modern! Die Marteller Bürger hingegen konnten mit dem modernen Gebäude nichts anfangen, für die war es eine große Garage – eine “Schupf”. Man stelle sich vor, dass das Hotel schon in den 30er Jahren seinen Gästen Friseure, Skilehrer und Masseure als Service anbot und den sportlichen Gästen, brachten Skilehrer am hauseigenen Hang Skifahren bei. Entspannen konnte man in der hauseigenen Sauna, lesen konnte man im englisch gehaltenen Lesesaal und eine gemütliche Taverne gab es auch. Im hauseigenen Postamt konnte man Karten und Briefe verschicken. Leisten konnten sich diese Annehmlichkeiten zu der Zeit nur wenige Menschen. Klingt für die heutige Zeit fast normal, aber bitte bedenke, wir reden hier vom Jahre um 1935!
Der 2. Weltkrieg beendete den Luxus und 1943 wurde das Hotel von der deutschen Wehrmacht besetzt und zum Kurhotel für verwundete deutsche Soldaten umfunktioniert. Nach dem Krieg, 1946, ging das Hotel insolvent. 1952 kaufte der Reeder Benati aus Venedig das Hotel und verpaßte ihm die rote Farbe. Zu einer Wiedereröffnung kam es jedoch nicht und 1966 kaufte es die Südtiroler Brauereifamilie Fuchs. Seitdem geschieht mit dem Gebäude nichts mehr und es zerfällt immer mehr. Schade eigentlich.

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2084.8 m

Bild unten: Als wir die Plima-Schlucht hinunter kamen, hatte ich das Gefühl, das mit meinem Wanderschuh etwas nicht stimmt und meiner Partnerin fiel auch auf, das sich wohl die Sohle etwas gelöst hatte. Auf dem Parkplatz angekommen, sahen wir aber das ganze Ausmaß. Die Wanderschuhe waren eigentlich hin, obwohl ich die gar nicht so häufig in Benutzung hatte. Aber wenn der Weichmacher im Gummi schwindet, löst sich so ein Wanderschuh auch schon mal auf – obwohl ein teurer Markenschuh.

© P. Krzymek, GPS: 46°29′0.00″N 10°41′0.00″E, Höhe: 2053 m

Jetzt am Parkplatz schauten wir in den Abfahrtplan des Busses und mußten feststellen, dass wir noch fast zwei Stunden warten mußten. Sch….., wie schlagen wir nur die Zeit tot?
Erst einmal wollten wir etwas essen, bzw trinken, aber alle Hütten/Restaurants rund um den Parkplatz hatten um diese Jahreszeit noch zu. Aber da war doch noch ein kleiner Imbiß am Start des Wanderweges, Rudi’s Würstelbude. Dort haben wir uns dann alkoholfreies Bier geholt und ich noch eine Bratwurst. Daran haben wir uns lange aufgehalten und haben die Rentner beobachtet, die vom Bus hier oben ausgeschüttet wurden. Plima Schlucht? Definitiv zu anstrengend! Aber Würstel essen, das geht immer 🙂
Nach einer Stunde ungefähr sind wir zum Parkplatz und sind dort auf und ab gelaufen, was wohl der Busfahrer bemerkte, der seinen Bus in der äußersten Ecke des Platzes abgestellt hatte. Er kam raus und fragte uns, ob wir uns nicht schon hinein setzen wollten, denn im Bus sei es wärmer. Selten einen so aufmerksamen, netten Busfahrer gesehen! Wahnsinn! In München habe ich immer das Gefühl, ich muß mich bedanken, daß ich mitfahren durfte und hier dann so etwas. Wir waren sprachlos, aber unendlich danklbar.

Der Bus fuhr pünktlich zur Bushaltestelle und da es, glaube ich, die letzte Verbindung nach Goldrain war, wartete der Bus 5 Minuten. Als er gerade losfahren wollte, kam eine Frau angehechelt. Da käme noch eine ganze Gruppe, sie war wohl die Gruppenleiterin, die wären aber weit entfernt und wären auch nicht gut zu Fuß und deshalb würde es wohl etwas dauern. Es dauerte und dauerte und dauerte…… Der Busfahrer wurde ungeduldig. Er mußte ja den 262er Anschluß in “Martell Dorf” bekommen, der dann nach Goldrain fahren würde. Wir waren schon fast 15 Minuten über der Zeit, als die Gruppe eintraf – eine Gruppe Omis und Opis. Bis die dann alle im Bus verstaut waren….. Um den Anschluß-Bus zu bekommen, brauste der Bus mit etwas höherer Geschwindigkeit durch die Haarnadelkurven. Er wurde dann aber doch wieder ausgebremst, als die älteren Herrschaften unterwegs für Kaffee und Kuchen aussteigen wollten. Sie stellten fest daß das die falsche Haltestelle war, bzw. daß es an der Halteelle kein Café gab und so hielt der Bus, aber niemand stieg aus. Der Busfahrer war etwas ungehalten. An der nächsten Haltestelle, ich glaube am Ortlerhof, stiegen die älteren Herrschaften dann aus.
Wir stiegen in Gant aus. Der Anschlußbus mußte ja auf dem Weg nach Goldrain auch wieder durch Gant. Würde unser Bus den Anschluß in “Martell Dorf” verpassen, hätten wir die Chance den hier noch zu bekommen.
Wie wir so an der Bushaltestelle standen, hielt auf der anderen Straßenseite ein Bus und ein Bauarbeiter stiegt aus. Mit Zahnstocher im Mund kam er auf uns zu:”Darf ich fragen wo ihr hin wollt?” “Nach Goldrain.” “Da fährt heute kein Bus mehr. Der letzte ist gerade durch.” Schei….. Wir waren geschockt! “Ihr denkt, die Busse fahren hier so pünktlich wie in Deutschland. Bitte immer daran denken, ihr seid hier in Italien – auch wenn alle Deutsch sprechen. In Italien gehen die Uhren anders. Mal fahren die Busse früher, mal später als Fahrplan.” Oh je, was nun. Wie wir so rätselten welche Alternativen uns jetzt noch bleiben würden, kam vom Bauarbeiter “Schaut ihr viel TV in Deutschland?” “Ja, es geht.” “Kennt Ihr Verstehen Sie Spaß?” Na warte! Sind wir ihm doch tatsächlich auf den Leim gegangen. Da wir Spaß verstehen, haben wir alle herzlich gelacht über den Spaßvogel. Der Bauarbeiter verschwand auf einem Grundstück hinter uns….. und, was für ein Segen, der Anschlußbus kam und brachte uns nach Goldrain.

Abens hatten wir in Tripadvisor geschaut, wo man noch zu Abend essen kann, und hatten uns den Bierkeller Latsch herausgesucht, der auf TripAdvisor immer mal an erster Stelle steht. Der war zwar nicht weit weg von unserer Ferienwohnung, aber nach der Plima Schlucht Wanderung haben wir dann doch ausnahmsweise mal den Wagen genommen. Am Parkplatz fiel mir dieses Schild auf. Das sollten wir in Deutschland vielleicht auch mal massenhaft aufstellen, denn Benimm und Anstand sind, habe ich das Gefühl, vielen Deutschen abhanden gekommen.

© P. Krzymek, GPS: 46°36′0.00″N 10°50′0.00″E, Höhe: 706.7 m

Nun aber zum Bierkeller Latsch. Naturtrübes sehr leckeres Bier und Essen wie in bayerischen Biergärten – Spareribs, Händel, Haxn und Brotzeit-Teller. Alles sehr schmackhaft über offenem Feuer zubereitet (außer dem Brotzeitteller 🙂 ) . Alles super, wenn da nicht das Benehmen einiger Deutscher gewesen wäre. Mir im Rücken aber von meiner Partnerin sehr gut zu sehen, saß eine größere Gruppe deutscher Paare, die sich wie die Urzeit-Menschen verhalten haben. Essen ohne Messer und Gabel, nur mit den Händen (ich weiß, bei Händel darf man das), Servietten Fehlanzeige, obwohl vorhanden, Mund auf beim Kauen, daß man ihnen in den Hals schauen konnte und zum Schluß noch einige fette Rülpser und Pfurzer. Null Benimm – null Anstand! Ganz ehrlich – sind wir so weit degeneriert? Peinlich! Traurig! Was sollen die Menschen in anderen Ländern nur über uns Deutsche denken?
Wir hatten jedenfalls die Schnauze voll, haben gezahlt und das Lokal schnellstmöglich verlassen.
Wir können das Erlebte aber schon trennen – das Essen und das Bier waren vorzüglich und deshalb eine klare Empfehlung für den Bierkeller Latsch!
Aber eine Bitte: benehmt Euch! Zu Hause könnt Ihr fressen wie die Schweine, aber im Ausland repräsentieren wir ein Land. Klingt doof, ist aber so!

Bierkeller Latsch
Valtneidweg 2, 39021 Latsch, Südtirol
Tel.: +39 0473 623208
E-Mail: mail@bierkeller-latsch.com
Homepage: https://www.bierkeller-latsch.com/
Tripadvisor: Bierkeller Latsch


rueckwaertsvorwaerts
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