Mid-West USA Reise, 14.08.2012, Denver - Estes Park

Heute sollte die große Rundreise beginnen, doch von den beiden Koffern fehlte immer noch jede Spur. Also noch vor dem Frühstück wieder zur Rezeption, die wiederum für uns am Flughafen anriefen und wie ich so in die Räumlichkeiten der Rezeption schaue, sehe ich einen Koffer, der so aussah wie meiner. Es war meiner!! Hoffnung keimte auf. Doch wie sich heraus stellte fehlte immer noch ein Koffer. Wir frühstückten erst einmal und anschließend schlug ich vor, die Rundreise mit einer Fahrt zum Flughafen zu beginnen. Wir fuhren zum Ankunftsbereich und ich fragte einen Polizisten wie wir am schnellsten zur Abteilung kommen, die für vermißte Koffer zuständig ist. „Fahren Sie einen großen Bogen vom Flughafen weg und wenn Sie dann wieder hereinfahren, nehmen Sie die Abfahrt zu den Parkhäusern. Fahren Sie in den vierten Stock, fahren Sie ganz durch bis zu den Rolltreppen, stellen Sie dort den Wagen ab, gehen Sie die Rolltreppen hoch und Sie stehen an den Baggage Belts und mehr oder weniger auch am Schalter für vermißte Koffer.“ HHHHääääää ?? Im Parkhaus die Rolltreppe hoch und man steht am Gepäckband? Auch wenn Denver vielleicht kein Zoll-Flughafen ist, der direkt angeflogen wird. Aber vom Parkhaus mit Rolltreppe direkt ans Gepäckband? Das konnte doch gar nicht sein! War aber so ! Wir fuhren ins Parkaus, gingen die Rolltreppe hoch und standen vor den Gepäckbändern, wo wieder viele herrenlose Koffer in der Gegend herumstanden. Ich hätte nun alle Koffer mitnehmen können und keiner hätte es gemerkt! Die Rolltreppe und das Auto waren ja nur wenige Meter entfernt.

Wir gingen zum Schalter, ich wurde etwas deutlicher und habe zu verstehen gegeben, daß wir das so nicht akzeptieren würden und dass ich von Denver schon jetzt enttäuscht bin. Daraufhin zückte die Angestellte ein dickes Schlüsselbund und führte uns in die heiligen Hallen des Denver Flughafens. Zwei große, zusammenhängende Räume mit hohen Regalen vollgestopft mit Koffern: „ Bitte suchen sie Ihren koffer“. Wir hatten unsere Koffer in Deutschland mit speziellen Bändern markiert und so dauerte es nicht lange, schon beim zweiten Koffer, und wir hatten den vermißten Koffer gefunden.
Jubel auf beiden Seiten. Die Angestellte war aus dem Häuschen, wir waren aus dem Häuschen. Ab zum Auto und los. Als wir im Auto saßen stellten wir fest, daß man gar nicht unsere Personalien aufgenommen hatte. Woher sollten die jetzt wissen welcher Koffer gefunden und ausgehändigt wurde und an wen? Wir warten also noch heute, daß man uns irgendwann einmal anruft, man habe unseren Koffer leider nicht finden können.

Die Tour konnte beginnen!

Geplante Tagesetappe: In Denver über die Interstate 70, abbiegen auf die US 40 und dann über Lookout Mountain Rd. zum Grab von Buffalo Bill auf dem Lookout Mountain, anschl. über die Clear Creek Canyon Rd. (US-6) in Richtung Idaho Springs, zu den Spieler-Städtchen Central City und Black Hawk und über Nederland (über die CO-119) nach Estes Park, gelegen am Rocky Mountain National Park.

Alternative: Man hätte auch über die I-25 und dann über Loveland und die US-40 (Big Thompson Canyon Road) fahren können. Diese Strecke soll ebenfalls durch einen sehr engen Canyon führen und sehr schön sein. Bei der Planung der Etappe habe ich mich jedoch für die Fahrt über Golden entschieden, weil ich noch auf den Denver Lookout Mountain mit dem Grab von Bufallo Bill wollte. Auch die ehemaligen Goldgräber Städte und heutigen Spielcasino-Städte Black Hawk und Central City reizten mich.


Strecke: 185 km, Fahrtzeit: 3:00 h



Höhenprofil der Etappe (Höhe in Meter über Entfernung in Km):

Hoehenprofil: Denver – Estes Park


Zu Beginn des Highway 6 liegt das Örtchen Golden. Bei genügend Zeit kann man hier die Coors Brauerei besuchen, die auch kostenlose Führungen anbietet. Hier liegt aber auch der Denver Lookout Mountain.


Von hier hat man einen tollen Ausblick auf Denver (bei klarer Sicht).



Hier oben befindet sich das Grab von Buffalo Bill und ein Museum über ihn.
(39°43’57.3″N 105°14’17.9″W)
Buffallo Bull hieß mit bürgerlichem Namen William Frederick Cody und wurde am 26. Februar 1846 in LeClair in Iowa geboren. W. F. Cody übte in seinem Leben viele Berufe aus. So war er Zugführer, Wagon-Master, Kutscher und Pony-Express-Reiter. Er nahm sowohl am Goldrausch in Colorado teil, als auch am amerikanischen Bürgerkrieg, als auch an den Kämpfen gegen mehrere Indianerstämme.



Er machte sich einen Namen, als er für den Pony-Express, nach Ausfall von zwei Anschlussreitern, drei 100-Meilen-Etappen in 22 Stunden durchgaloppierte. Von 1867 bis 1868 versorgte er 1000 Arbeiter der Kansas Pacific Railroad täglich mit 12 Büffeln. Das brachte ihm den Spitznamen Buffallo Bill ein.



Ein amerikanische Journalist begann nach einem Treffen mit Buffallo Bill Groschenhefte über ihn zu veröffentlichen. Viele dieser Groschenromane waren derart übertrieben, daß man, auch wenn man heute weiß das Buffallo Bill ein ereignisreiches Leben hatte und wirklich viel erlebt hat, heute nicht mehr bekannt ist, was davon Wahrheit oder Dichtung ist.



1896 gründete Buffallo Bill seine eigene Stadt, die nach seinem bürgerlichen Namen, Cody, benannt war. Der Ort Cody liegt im Bighorn Bassin in Wyoming und wird von uns im Laufe unserer Reise noch besucht werden.


Nachdem sich Buffallo Bill verschiedenen Künstlergruppen angeschlossen hatte, erkannte er seine Möglichkeiten und machte sich 1883 mit seiner eigenen Wildwest-Show selbstständig. Mit seiner Wildwest-Show, an der auch viele z.T. sehr bekannte Indianer (Sitting Bull) teilnahmen, gastierte er 1890 auch in Deutschland. 1906 gastierte er noch einmal in 45 Städten des deutschen Kaiserreiches. Kaiser Wilhelm war von den Reit- und Schießkünsten Buffallo Bills derart begeistert, daß er seinen Offizieren von Buffallo Bill Nachhilfe in Logistik geben ließ.


Mit dem Aufkommen des Kinos ließ das Interesse der Bevölkerung an den Wildwest Shows nach und sie schrieb Verluste. Bis zu seinem Tod am 10.01.1910 in Denver trat Buffallo Bill weiter in Shows auf und bastelte weiter an seinem Mythos. 1913 ging alles was er aufgebaut hatte in Konkurs.


In vielen Filmen und Büchern wird das Klischee verbreitet, Buffallo Bill hätte sich im Kampf gegen die Indianer hervor getan und diese bis auf’s Blut bekämpft. Man weiß heute aber mit Sicherheit, daß dem nicht so war. Auch wenn überliefert ist, das er in einer frühen Schlacht einen Unterhäuptling getötet und skalpiert hat, so hat er sich später immer für Völkerverständigung und ein friedliches Zusammenleben eingesetzt. Nach seinem Tod erhielt er viele Ehrenbezeugungen wie z.B. von Wilhelm II, doch der wohl bewegendste Nachruf kam von den Sioux Indianern die in ihm einen „guten und treuen Freund gefunden hatten“.


Wir besuchten auf dem Lookout Mountain auch das kleine Buffallo Bill Museum, in dem viele persönliche Requisiten aufbewahrt werden, aber auch Originalgegenstände von Indianern.


Anschließend führte uns die geplante Tour über die US 6 durch den Clear Creek Canyon in Richtung Idaho Springs. Eine sehr gut ausgebaute Straße die sich durch eine schmale, sehenswerte Schlucht schlängelt



Kurz vor Idaho Springs bogen wir ab auf den Central City Pkwy der uns, sehr gut ausgebaut, zuerst nach Central City brachte. Hier, so hatten wir uns vorgenommen, wollten wir einen Kaffee trinken.
Central City (39°48’01.1″N 105°30’45.4″W) ist ein Goldgräber Städtchen und entstand, nachdem John H. Gregory am 06.Mai 1859 in der Gegend Gold fand. Er war bei seiner Suche aber viele Jahre vom Pech verfolgt und soll darüber den Verstand verloren haben. J.H. Greogory war stets betrunken und das nutzten Betrüger aus und kauften ihm die Miene für 20 000$ ab, ein Bruchteil zu den 60 Million Dollar die in den Folgejahren geschürft wurden.


Wiederum andere Geschäftsleute wollten den Ort bekannter machen und bestäubten eine Miene mit Goldstaub und leuchteten die Miene gekonnt aus. Ein Reporter der New York Tribune namens H. Greeley, der die Miene besichtigte, berichtete anschl. darüber, woraufhin die Stadt immer weiter wuchs und Ende der 1860er Jahre 42000 Einwohner zählte.



Nachdem der Goldrausch nachließ verkam der Ort, den man mittlerweile die „Richest Square mile on Earth“ (de: die reichste Quadratmeile auf Erden) nannte, immer mehr und hatte 1900 nur noch 3000 Einwohner und im Jahre 2000 nur noch 515.
Der weitere Verfall der beiden Orte, Central City und Black Hawk, konnte gestoppt werden, als 1990 durch ein Referendum das Glücksspiel freigegeben wurde.
Central City hat eine sehr schöne Main Street und wir waren eigentlich begeistert, doch in Ruhe einen Kaffee trinken, konnte man in keinem der Läden, denn, egal was über dem Geschäft stand, es verbarg sich ein lautes, kaltes, dunkles Casino dahinter.
So beschlossen wir weiter zufahren.


In Black Hawk (39°47’55.2″N 105°29’04.6″W), im Prinzip nicht besser, holten wir uns dann in einem Starbucks, der in einem Casino einen Stand hatte, einen Kaffee und tranken ihn in Ruhe draussen, denn drinnen war es uns wieder zu laut, zu dunkel und zu kalt – wie in allen Casinos.



Die drei linken Bilder aller mit freundlicher Genehmigung von http://www.cityofblackhawk.org/



So sah Black Hawk zwischen 1863 und 1870 aus



Die Weiterfahrt führte uns, über Nederland, wo wir an einem Wasser Reservoir noch einmal pausierten, nach Estes Park. Unterwegs begegneten wir dieser kleinen Kirche mit Christus Statue.






Im Motel “Best Western Plus Silver Saddle” in Estes Park hatten wir zwei Zimmer gebucht. Nach der langen Autofahrt nahmen wir erst einmal ein Bad im Pool das uns super gut tat. Abends fuhren wir zur Brauerei Estes Park wo wir zu Abend aßen und ein Bier (oder waren es zwei ?) der Micro Brauerei tranken.

rueckwaerts vorwaerts
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